Proteste
Eon: „Die Kultur hat sich gewandelt“

Seit 37 Jahren arbeitet Hans Wollitzer schon beim Energiekonzern Eon und seinen Vorgängerunternehmen. Doch so etwas hat der 60-jährige gelernte Controler noch nicht erlebt: 5 500 Mitarbeiter demonstrieren vor der Düsseldorfer Konzernzentrale. Verdi lässt im Konflikt um das Sparprogramm von Eon die Muskeln spielen – auch gegenüber der IG BCE.

DÜSSELDORF. Die 5 500 Mitarbeiter haben sich im großen Innenhof an der Südseite der Düsseldorfer Zentrale versammelt, pusten in rote Trillerpfeifen und schwenken Transparente mit Aufschriften wie „Das Eon-Management hat unser Geld verschwendet“. „Früher hat man die Dinge bei Eon im Konsens geregelt, jetzt müssen wir leider zu solchen Maßnahmen greifen“, klagt Wollitzer.

Jahrelang arbeitet er schon als Arbeitnehmervertreter mit dem Management zusammen, inzwischen als Gesamtbetriebsratschef der für Zentraleuropa zuständigen Tochter Eon Energie. Bislang habe man Umstrukturierungen immer einvernehmlich bewältigt, sagt er. „Aber die Kultur hat sich gewandelt.“ Der kleine, schlanke Bayer trägt selbst über seinem blauen Sakko eine gelbe Warnweste mit Verdi-Emblem.

Etwa 50 Meter entfernt, am Ende der Demonstrantenschar, steht Konzernchef Wulf Bernotat mit fast dem gesamten Vorstand, hört sich die Vorwürfe an – und versteht die ganze Aufregung nicht. Dass es zu „Perform-to-win“, das Bernotat lieber Effizienzprogramm nennt, keine Alternative gibt, hat er den Mitarbeitern doch erklärt und über die Umsetzung verhandelt man zur Zeit mit den Arbeitnehmervertretern – „konstruktiv“, wie Kommunikationschef Peter Blau betont. Schon in wenigen Wochen soll ein Eckpunktepapier stehen. Vor den Mitarbeitern reden will Bernotat freilich nicht, dazu wurde er nicht eingeladen, und auch gegenüber Journalisten hält er sich bedeckt, das würde ja nur Öl ins Feuer gießen.

Warum ist die Situation aber so eskaliert? Bernotat hat die Belegschaft natürlich aufgeschreckt, als er das Programm im Februar ankündigte. Er will Eon schlanker machen. Nachdem der Konzern im Ausland expandiert hat, sollen jetzt Funktionen gebündelt, Hierarchien abgebaut und Kosten gesenkt werden. Bernotat will Eon so fit für den Wettbewerb machen.

Die Belegschaft beunruhigt das. Verdi hat im Vorfeld die Zahl von 6 000 Stellen lanciert, die von den derzeit 93 000 bedroht sein sollen, weitere 3 000 könnten zu schlechteren Bedingungen ausgegliedert werden – von „Tarifflucht“ ist die Rede. In den drei deutschen Zentralen – bei der AG in Düsseldorf, bei Eon Energie in München und bei Ruhrgas in Essen – fürchtet man jeweils, Kompetenzen zu verlieren. Offensichtlich geprüft wird der Verkauf der IT-Sparte.

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