Puma gegen Adidas
Das Ende der Eiszeit in Herzogenaurach

In den 60er-Jahren endete manche Begegnung von Adidas - und Puma-Angestellten noch mit einer handfesten Schlägerei. Nun versöhnen sich die Sportartikel-Erzrivalen auf dem Fussballplatz. Mit von der Partie: Adidas-Chef Herbert Hainer und Puma-Chef Jochen Zeitz. Auch abseits des Feldes kam das Duell ohne Blutgrätschen aus.

HERZOGENAURACH. Das Fußballspiel neigt sich dem Ende zu, Herbert Hainer und Jochen Zeitz haben sich schon auswechseln lassen. Jetzt sitzen die Chefs von Adidas und Puma nebeneinander auf der Ersatzbank und plaudern wie alte Bekannte. Die Manager geben sich entspannt an diesem sonnigen Montagnachmittag im Adi-Dassler-Stadion in Herzogenaurach. Das ist alles andere als selbstverständlich. Denn das Match ist die erste gemeinsame Veranstaltung der Sportkonzerne Adidas und Puma - nach 60 Jahren erbitterter Rivalität.

Ob er denn schon einmal in der Konzernzentrale von Adidas gewesen sei, fragt eine Reporterin vom Rundfunk Puma-Chef Zeitz, als er den Sportplatz des Konkurrenten betritt. "Nö", antwortet Zeitz und schiebt nach: "Aber es wird Zeit." Ein paar Minuten später steht der ehemalige Football-Spieler aus Mannheim im Tor, ein paar Meter vor ihm treibt Adidas-Boss Hainer die Mannschaft an. Wie ihre Mitspieler, Beschäftigte aus den zwei Unternehmen, tragen auch die beiden Chefs Trikots mit den Markenzeichen beider Firmen - den drei Streifen von Adidas und der Raubkatze von Puma. Auch der Ball ist außergewöhnlich: Das Leder strahlt in Weiß-Blau, den Farben des Friedens.

Es ist kein Zufall, dass sich die gemischten Mannschaften von Adidas und Puma an diesem Montag gegenüberstehen: Es ist Weltfriedenstag, und mit ihrem Fußballspiel wollen die Unternehmen ein Zeichen setzen. Mit der Partie im Adidas-Hauptquartier endet die mehr als 60-jährige Eiszeit zwischen der Nummer zwei und der Nummer drei im weltweiten Sportgeschäft. Obwohl die Zentralen der Konzerne im fränkischen Herzogenaurach nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen, herrschte hier bis vor kurzem eine Art kalter Krieg. Die Wettbewerber gingen sich aus dem Weg.

Bei den wenigen Kontakten handelte es sich mitunter um handfeste Auseinandersetzungen. In den 60er- und 70er-Jahren soll es öfters Schlägereien zwischen den Beschäftigten beider Unternehmen gegeben haben. Mit dem FC und dem ASV Herzogenaurach hatte jeder Konzern sogar seinen eigenen Fußballverein. Die Rivalität geht zurück auf das Zerwürfnis zwischen Puma-Gründer Rudolf Dassler und seinem Bruder Adolf, genannt Adi. Die Geschwister hatten vor dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam eine Schuhfabrik betrieben. Ende der 40er-Jahre zerstritten sich die Männer aber so sehr, dass sie eigene Firmen gründeten.

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