Punktsieg für Boeing
Pentagon zieht Tankflugzeug-Auftrag zurück

Boeing hat im Wettstreit mit EADS um den lukrativen Auftrag zur Modernisierung der Tankflugzeugflotte des US-Militärs einen wichtigen Etappensieg errungen. Das US-Verteidigungsministerium zog am Mittwoch die Ausschreibung des 40 Mrd. Dollar schweren Auftrags zurück.

WASHINGTON/PARIS. Das Verfahren soll nun nach der Präsidentschaftswahl von der nächsten Regierung neu gestartet werden, wie das Pentagon am Mittwoch mitteilte. Es gab damit dem Druck des US-Flugzeugherstellers Boeing nach, der sich über die seiner Meinung nach zu kurze Frist beklagt und mit einem Rückzug gedroht hatte. Der europäische Konkurrent EADS, der gemeinsam mit dem US-Partner Northrop Grumman bietet, muss dagegen seine Hoffnungen auf einen raschen Erfolg begraben. Eigentlich sollte bis Januar eine Entscheidung fallen.

Das US-Verteidigungsministerium hatte bereits vor Jahren den Kauf von 179 Tankflugzeugen ausgeschrieben. Ende März vergab es den weltgrößten Rüstungsauftrag zwar überraschend an EADS und Northrop Grumman. Boeing focht dies aber erfolgreich wegen angeblicher Formfehler an und erzwang eine neue Ausschreibung.

Der Auftrag ist politisch brisant, weil es letztlich um die Machtverhältnisse zwischen dem US-Konzern Boeing und der europäischen EADS geht. Einflussreiche US-Politiker hatten die Vergabe des Milliardenauftrags an die Europäer kritisiert. Sie wurde auch im laufenden Wahlkampf thematisiert.

US-Verteidigungsminister Robert Gates begründete die Verschiebung damit, dass in der derzeit aufgeladenen Stimmung keine faire und objektive Entscheidung mehr möglich sei. Die Vergabe werde deshalb der nächsten Regierung überlassen.

„Wir bedauern die Entscheidung und werden sie jetzt analysieren“, sagte ein Sprecher der EADS-Tochter Airbus. Dies schließe ein, dass der Konzern auch rechtliche Schritte prüfen lasse. Bei Airbus zeigt man sich zwar weiter optimistisch: „Wir werden auch im nächsten Jahr das bessere Flugzeug im Angebot haben und daher die Ausschreibung gewinnen können.“

In Branchenkreisen wurde die Verschiebung aber als klarer Erfolg des US-Konzerns gewertet: „Da haben Boeings Lobbyisten ganze Arbeit geleistet.“ Die Air Force brauche dringend die neuen Flugzeuge, doch Boeing gelinge es immer wieder, die eigenen Interessen über die Verteidigungsinteressen der USA zu stellen.

Boeing hatte zuletzt hinter den Kulissen den engen Zeitplan als Wettbewerbsnachteil kritisiert und „sehr ernsthaft“ den Rückzug erwogen. Das Pentagon wollte schon bis zum 1. Oktober die neuen Angebote auf dem Tisch haben. Der Konzern sieht sich benachteiligt, weil er sein bisheriges Gebot noch nachbessern muss. Das offerierte Modell auf Basis seiner 767-Reihe ist schließlich kleiner und älter als die EADS-Variante auf Basis des Passagierflugzeugs A330. Die Boeing-Maschine ist zwar billiger in der Anschaffung, hat aber weniger Reichweite und kann weniger Material und Sprit transportieren.

Für EADS und ihre Flugzeugtochter Airbus ist der Auftrag von zentraler Bedeutung. Erstmals bekämen die Europäer ein großes Stück vom US-Rüstungsmarkt. Falls die Europäer den Zuschlag erhielten, plant Airbus den Bau einer Endfertigung im US-Staat Alabama. In dem Werk sollen neben den Tankflugzeugen auch zivile Frachtmaschinen gebaut werden. Eine Fertigung in den USA würde Airbus zudem von Dollar-Schwankungen weniger abhängig machen.

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