Quartalszahlen
Philip's ewiges Sorgenkind

Ein deutlicher Gewinnsprung reicht den Aktionären nicht aus: Nach Bekanntgabe der Zahlen für das vierte Quartal stürzte der niederländische Elektronikkonzern Philips an der Börse gestern regelrecht ab. Welche Sparten florieren – und welche Philips belasten.
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FRANKFURT. Zeitweise lag die Aktie an der Amsterdamer Börse um mehr als sieben Prozent im Minus. Zu stark blieben die Zahlen hinter den Erwartungen zurück, zu stark enttäuschte das TV-Geschäft. Erneut.

So legte der Konzernumsatz im vierten Quartal nur um knapp zwei Prozent auf 7,4 Milliarden Euro zu. Der Nettogewinn stieg zwar um rund 80 Prozent auf 465 Millionen Euro. Von Bloomberg befragte Analysten hatten aber im Schnitt mit 513 Millionen Euro gerechnet. Selbst die Dividendenerhöhung von 70 auf 75 Cent je Aktie beruhigte da nicht.

Der Grund: Philips kommt mit seinem Fernsehgeschäft einfach nicht aus der Krise. In der Konsumelektroniksparte, zu der das TV-Geschäft zählt, fiel das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) um 43 Prozent auf 151 Millionen Euro. Die Ebita-Marge lag nur bei 5,6 Prozent – nach immerhin 9,2 Prozent im Vorjahr. Vor allem in den Industrieländern hielten sich die Konsumenten mit dem Kauf neuer Geräte zurück, erklärte Philips-Konzernchef Gerard Kleisterlee. Auch die Händler, die auf hohen Lagerbeständen sitzen, bestellten im Dezember kaum mehr etwas nach. Positiv sei allerdings, dass die lang erwartete Lizenzvereinbarung mit einem chinesischen Partner endlich abgeschlossen wurde, ergänzte er. Das TV-Geschäft, das im vierten Quartal einen operativen Verlust von 67 Millionen Euro einfuhr, soll daher 2011 endlich schwarze Zahlen schreiben. Abzuwarten bleibe aber, ob Philips mit neuen Produkten die schwache Nachfrage in den entwickelten Märkten beleben könne, schrieb NordLB-Analyst Jan Christian Göhmann in einer Studie. Philips-Finanzvorstand Pierre-Jean Sivignon hatte bereits im Dezember vor Rückschlägen im TV-Geschäft gewarnt.

Vorzeigesparte Medizintechnik
Überraschender war deshalb gestern, dass auch die Lichtsparte nicht wie in der Vergangenheit glänzte. Der Konzern, der in diesem Geschäftsfeld Weltmarktführer ist, sieht zwar weiterhin großes Potenzial in der Gebäude- und Straßenbeleuchtung in Schwellenländern. Aber die Nachfrage in Westeuropa lahmt. So legte das operative Ergebnis (Ebita) der Sparte zwar im Vorjahresvergleich um 141 Prozent auf 198 Millionen Euro zu, die Ebita-Marge lag bei zehn Prozent. Das waren jedoch die niedrigsten Werte der vergangenen vier Quartale.

Die Vorzeigesparte der Niederländer ist dagegen die Medizintechnik. Das Ebita des Siemens-Konkurrenten kletterte um gut 15 Prozent auf 522 Millionen Euro. Die Rendite der Sparte lag bei 19,8 Prozent. Auch für die Zukunft hat Philips Grund für Optimismus: Die Auftragseingänge aus Nordamerika lagen acht Prozent, die aus Schwellenländern sogar neun Prozent über dem Vorjahresquartal.

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