Rasantes Wachstum
Linde forciert Geschäft mit Industriegasen in China

Das Unternehmen profitiert dabei stark von der Modernisierung chinesischer Firmen.

PEKING. Die Linde AG in Wiesbaden baut ihr China-Engagement zügig aus. Schwerpunkt der Expansion ist das Geschäft mit industriellen Gasen, das im Unterschied zum Anlagenbau und der Produktion von Gabelstaplern für das Unternehmen in China noch Neuland darstellt, dafür aber rasant wächst.

Linde profitiert stark von der Modernisierung chinesischer Unternehmen, der vom WTO-Beitritt angetrieben wird sowie von den konjunkturellen Bremsmanövern der chinesischen Regierung, die die Kreditvergabe der Banken drosselt und viele Firmen zum Sparen zwingt. „Es war bislang undenkbar, dass sich Chinesen von Dritten mit Gasen versorgen lassen“, sagt Linde- Vorstandsmitglied Aldo Belloni im Gespräch mit dem Handelsblatt in Peking. „Doch jetzt, wo das Geld knapper wird, finden auch chinesische Firmen Gefallen am Zukauf.“ Linde hat in China seit Mitte der 60er Jahre mehr als 150 Anlagen aufgebaut, überwiegend für Wasserstoff und zur Luftzerlegung.

Laut Belloni sind sowohl das Anlagenbau- als auch das Gasgeschäft bei Linde in China profitabel. Die Produktion von Gabelstaplern, die Linde 1993 in der Küstenstadt Xiamen begann und auf eine Jahresproduktion von mehr als 5 000 Stück nach oben schraubte, sei noch am Anfang einer Markteinführung. Der Markt sei extrem hart, da lokale Hersteller dem Unternehmen mit Preiskämpfen zusetzten. „China steht auf unserer Expansionsliste ganz oben, aber nicht um jeden Preis“, gibt Belloni zu verstehen. Bei Genehmigungen von Großprojekten im Stahlsektor beobachtet der Manager wegen der konjunkturellen Dämpfungsmaßnahmen der Regierung eine Verlangsamung. „Die Projekte sind alle auf dem Prüfstand".

Im Gasgeschäft investiert Linde 60 Mill. Euro pro Jahr in China, 10 % des weltweiten Budgets. Damit ist der Anteil, den das Reich der Mitte an den globalen Investitionen der Wiesbadener in diesem Segment hat, doppelt so hoch wie der Umsatzanteil von „deutlich unter 5 %“. Beim Anlagenbau habe China einen Umsatzanteil von 10 bis 15 % am globalen Geschäft von Linde, in sehr guten Jahren bis zu 25 %, sagt Belloni.

Im vergangenen Jahr hat Linde in China fünf große Sauerstoffanlagen für Stahlwerke in Betrieb genommen. Das Unternehmen ist damit die Nummer eins in China für die Versorgung von Stahlöfen mit Sauerstoffanlagen, die wegen ihrer technischen Komplexität noch zu 60 bis 70 % importiert werden müssen, meist aus dem Linde-Werk am Chiemsee.

Vor wenigen Tagen hat Linde mit Bayer einen Vertrag zum Bau einer Synthese-Anlage für den neuen Verbundkomplex der Leverkusener im Chemiepark Caojing südlich von Schanghai abgeschlossen. Linde liefert das Synthese-Gas für die Produktion in dem 3 Mrd. Euro umfassenden Investitionsprojekt. Auch nach Nanjing, 350 km westlich von Schanghai, liefert Linde eine Anlage, die den Verbundstandort der BASF mit Sauerstoff für die Chemieproduktion versorgt. Mit der Wuhan Industrial Steel Corp. (WISCO) wurde vor wenigen Tagen ein Vertrag über 50 Mill. Euro für eine Luftzerlegungs-Anlage geschlossen. In Chinas Industriemetropole Schanghai gilt Linde als größter Gase-Versorger für den US-Konzern Coca Cola, in der Küstenprovinz Fujian als Marktführer bei Industriegasen.

Beunruhigt sei er nicht, sagt Belloni zu den Überhitzungserscheinungen in der chinesischen Konjunktur. „Wir begrüßen, was die Zentralregierung macht“, sagt er, „aber wir müssen bei den Gewinnern bleiben.“ Das offenbart eine gewisse Unsicherheit am Markt angesichts des anstehenden Konsolidierungsprozesses in einigen Industrien wie dem Stahl. „Wir sehen, dass bei manchen unserer Kunden die Kreditlinien knapper werden“, schildert Belloni die jüngsten Eindrücke. Doch während im Anlagengeschäft Projekte gebaut und gleich bezahlt würden, seien bei Gasen Nachhaltigkeit und langfristige Bonität der Kunden gefragt.

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