Rechtsstreit
Schmutziger Scheidungskrieg bei Swatch und Tiffany

Sie wollten zusammen Uhren verkaufen und die Rivalen abhängen, doch die Allianz zerbrach. Im Herbst beendete Swatch die Zusammenarbeit mit dem Schmuckriesen Tiffany - nun mündet der Streit im juristischen Kleinkrieg.
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Zürich/DüsseldorfKlage gegen Klage: Der absurde Streit des weltgrößten Uhrenherstellers Swatch mit seinem Ex-Vertragspartner, dem US-Schmuckriesen Tiffany geht in die nächste Runde. Tiffany verklagt Swatch auf 542 Millionen Franken (588 Millionen Dollar). Swatch teilte dazu am Montag mit, dass der US-Juwelier mit dieser sogenannten Gegenklage auf einen von den Schweizern angestoßen Rechtsstreit regiere.

Schon im vergangenen Herbst begegneten sich die einstigen Partner vor Gericht. Swatch hatte das New Yorker Unternehmen nach der Kündigung langfristiger Zusammenarbeitsverträge auf 3,8 Milliarden Franken Schadenersatz verklagt. Swatch bestreitet Tiffanys Vorwürfe. "Dieser Gegenforderung fehlt jegliche faktische oder rechtliche Grundlage", wie der Bieler Konzern am Montag mitteilte.

Nun mündet die im Jahr 2007 gefeierte Traumhochzeit in einem Rosenkrieg. Damals hatten die beiden Konzerne feierlich verkündet, dass sie gemeinsam Uhren verkaufen und die Konkurrenz übertrumpfen wollen. "Unsere Firma und unsere Familie hatten schon immer einen enorm guten Kontakt mit dem wahren Amerika, das wir lieben", schwärmte Firmenpatriarch Nicolas Hayek noch bei der Verkündung der Partnerschaft in New York. Doch kaum vier Jahre später zerbrach die Allianz und es begann ein schmutziger Scheidungskrieg.

Swatch hatte von Anfang an bei der Zusammenarbeit die Hosen an. Die Schweizer gründeten eine neue Uhrenmarke, Tiffany Watch, die 100 Prozent der Swatch Group gehörte. Die Amerikaner hatten lediglich einen Sitz im fünfköpfigen Verwaltungsrat und Mitsprache bei Produkt-Design und Marketing. Die neue Tochter war für Entwicklung, Produktion und Vertrieb der Uhren von Tiffany & Co. zuständig. Der Vertrieb sollte über die Läden von Tiffany, der Swatch Group und unabhängiger Händler laufen. Nach eigenen Angaben hat Swatch "Millionen" in Entwicklung und Vertrieb von Uhren der Marke "Tiffany" investiert - mit dem ehrgeizigen Ziel, die Wettbewerber zu übertrumpfen. In einem Gespräch mit der "Financial Times Deutschland" (FTD) hatte Hayek den möglichen Jahresumsatz der Allianz einmal mit 200 Millionen bis 300 Millionen Franken beziffert. Tatsächlich, so Hayek in der FTD, setzte Tiffany Watch 2010 gerade einmal 30 Millionen Franken um.

Ein Jahr später schon beklagte sich sich der Swatch-Chef über den "mangelnden Effort" der Amerikaner beim Verkauf der neuen Uhren. Hayek verdächtigte seinen US-Partner, dass der Wiedereinstieg von Tiffany in das Uhrengeschäft für Tiffany wohl keine hohe Priorität mehr genieße. Der US-Juwelier - so erzählen es die Schweizer der FTD - hätte alle Marketing- und PR-Kampagnen ausgebremst. Beispielsweise in China, wo Tiffany vier neue Läden eröffnet hatte. Die Uhren seien dort allerdings nie gezeigt worden. "Was sollen wir sagen, wenn uns ein Händler fragt? Es entsteht der Eindruck, man würde nicht an den Erfolg der Uhren glauben", sagte Hayek im September, zog die Reißleine und kündigte die Kooperation wieder auf.

Wie die Schweizer auf die nun bekannt gewordene Schadenshöhe von 3,8 Miliarden Franken kommen, bleibt ihr Geheimnis. Im September noch zitierte die "NZZ" den Swatch-Chef mit der Ankündigung, dass die Swatch Group von Tiffany per Klage lediglich einen hohen dreistelligen Millionenbetrag einfordern wolle. Nun klagt Swatch 3,8 Milliarden Franken ein. Eine Sprecherin von Swatch war zunächst nicht zu erreichen. In der Pressemitteilung erklärte Swatch die nun geltend gemachte Schadenshöhe mit entgangenem Gewinn für die vereinbarte Vertragsdauer. Die Kooperation zwischen Swatch und Tiffany war auf 20 Jahre angelegt.

Bei der Lancierung der neuen Zusammenarbeit hatte Swatch das Umsatzpotenzial der neuen Marke auf 500 bis 800 Millionen Franken geschätzt. Angesichts des Booms beim Verkauf von Luxusuhren dürfte die Swatch-Group wohl kaum Probleme haben, die nun frei gewordenen Kapazitäten für die eigenen Uhrenmarken zu nutzen.

Die Anleger ließen sich von den enormen Klagesummen nicht aus der Ruhe bringen. Die Swatch-Aktien gewannen 0,2 Prozent auf 425,70 Franken, während der europäische Sektorindex 0,1 Prozent höher notierte. „Katerfrühstück bei Tiffany“, kommentierten die Analysten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) in Anlehnung an den Titel des berühmten Films aus den 60er-Jahren mit Audrey Hepburn in der Hauptrolle. Wenn überhaupt, dann dürfte Swatch etwas von Tiffany erhalten, glauben die ZKB-Analysten.

(Mit Agenturen)

Carina Kontio ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte.
Carina Kontio
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen

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