Regierung erhöht Druck
Ausländische Ölförderer haben es in Russland schwer

Der US-Konzern Exxon Mobil muss eine Schlappe hinnehmen. Der russische Staat hat eine Lizenzerweiterung für das Förderprojekt Sachalin 1 des Ölkonzerns abgelehnt. Neu entdeckte Reserven in der Nähe des Förderfeldes sollen statt dessen versteigert werden, teilte das Energieministerium am Mittwoch in Moskau mit.

HB MOSKAU. Damit erhöht sich der Druck auf ausländische Öl- und Gasförderer in Russland weiter. Bereits am Dienstag hatte der Umweltbeauftragte der Regierung angedroht, die Arbeiten an dem Royal Dutch Shell-Projekt Sachalin zwei zu stoppen. Das weltweit größte Flüssiggasprojekt verstoße gegen Umweltvorschriften, hieß es in einer Mitteilung. Analysten sehen das als Vorwand des Staates, angesichts des hohen Ölpreises einen größeren Einfluss auf die Energieförderung auszuüben. Das Projekt Sachalin zwei ist vollständig in privatem Besitz. Shell ist mit 55 Prozent an dem Förderfeld beteiligt, die beiden japanischen Unternehmen Mitsui und Mitsubishi halten 25 beziehungsweise 20 Prozent.

Die jüngsten Maßnahmen aus Moskau zielen wohl nicht darauf ab, dem russischen Ölkonzern Gazprom einen höheren Anteil an Sachalin zwei zu sichern. Das Unternehmen, das sich auch nach der Privatisierung in der Einflusssphäre des Staates befindet, strebe weiterhin einen Anteil von 25 Prozent an und sei nicht an mehr interessiert, sagte der russische VIZE-Wirtschaftsminister Kirill Androssow am Mittwoch. Shell habe sich bereits mit Gazprom auf einen Anteilsverkauf geeinigt, sagte Adam Landes von der russischen Investmentbank Renaissance Capital. Shell will im Gegenzug zum Verkauf der Sachalin-Anteile von Gazprom Zugang zu einem anderen Förderprojekt in Westsibirien erhalten.

Die neue Umweltvorschrift in Verbindung mit dem Einstieg Gazproms könnte dagegen nach Ansicht von Analysten darauf abzielen, letztlich die beiden japanischen Partner zu Verkäufen von Sachalin-Anteilen an Shell zu drängen. Das Verhältnis zwischen Russland und Japan wird seit Jahrzehnten durch einen Territorialstreit getrübt: Japan und Russland streiten sich seit Jahren um die Kurilen, eine Inselgruppe östlich von Sachalin.

„Ein Anteilsverkauf ist nicht unbedingt negativ für Mitsui und Mitsubishi, da eine Beteiligung Gazproms dem Projekt die politische Unterstützung sichern würde“, sagte Yasuhiro Narita, Analyst bei der japanischen Bank Nomura Securities. Allerdings könnten die Aktienkurse der beiden Unternehmen deutlich nachgeben, falls sie ihre Anteile unter dem Druck durch Gazprom zu unangemessen niedrigen Preisen verkaufen müssen.

Mitsui und Mitsubishi haben zusammen bereits etwa 4,7 Mrd. Dollar (3,7 Mrd. Euro) in das 20-Milliarden-Dollar-Projekt investiert. Mitsui hat für die nächsten beiden Jahre bereits weitere Investitionen in Höhe von 1,7 Mrd. Dollar angekündigt. Die beiden Unternehmen verhandeln derzeit nicht mit Shell über einen Anteilsverkauf. Im Juli hatte es jedoch aus Mitsui-Kreisen geheißen, dass ein Verkauf von Preis abhänge.

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