Regierung nimmt sich den Monopolisten vor
Gazprom droht die Zerschlagung

Die russische Regierung berät über eine Aufteilung des Gasgiganten. Doch Management und Konkurrenten lehnen die Pläne ab.

mbr MOSKAU. Der weltgrößte Gaskonzern, die russische Gazprom, steht vor der Zerschlagung. Die russische Regierung berät am Freitag über entsprechende Schritte. Der liberale Wirtschaftsminister German Gref will den bisher mehrheitlich staatlich kontrollierten Monopolisten in eine Pipelinegesellschaft, mehrere Fördereinheiten und einen Verteiler-Konzern aufteilen. Auch eine Öffnung des Handels mit Gazprom-Aktien zugunsten ausländischer Investoren soll Thema der Gespräche sein.

Gref ist einer von sechs Staatsvertretern im Direktorenrat des Gasriesen. Zu dem Gremium gehören auch zwei Gazprom-Manager sowie zwei privaten Anteilseigner, darunter Burckhardt Bergmann, Chef des Gazprom-Aktionärs Ruhrgas. Rund 38 % des Gazprom-Kapitals hält die russische Regierung direkt, weitere 16 % der Aktien des Konzerns hält das Unternehmen selbst.

Gazprom lehnt eine Aufspaltung ab und ist allenfalls zu einer Vermietung oder Mitnutzung seiner Pipelines bereit. Ersatzlos wegnehmen lassen will sich die Firma ihre Netze nicht. Denn die rund 14,4 Mrd. $ Gazprom-Schulden (57 % der Konzern-Erlöse) stammten zu einem großen Teil aus großen Pipeline-Bauprojekten.

Hintergrund ist, dass Gazprom die gesamten Gas-Erlöse aus dem Export zur Bedienung seiner Verbindlichkeiten verpfändet hat. Bei einer Zerschlagung könnten die Banken ihre Kredite sofort einfordern. Gazprom müsste nach Meinung von Analysten höchstwahrscheinlich Konkurs anmelden, wenn die Schuldenlast nicht ebenfalls auf einen neuen Pipeline-Monopolisten übertragen würde. Gref hingegen begründet die Herauslösung des Transportsystems als nötig, um Transparenz bei Gazprom zu schaffen.

Dabei wird er allerdings von unabhängigen Gasproduzenten nicht unterstützt. Nach Ansicht des Präsidenten von Russlands Gasverbund, Walerij Jasew, geht es den Reformern nur um eine Umverteilung von Eigentum. Ein staatliches Monopol bei der Gaspipeline sei wie der staatliche Ölnetzbetreiber Transneft sehr anfällig für Korruption. Nötig seien vielmehr private und frei zugängliche Pipelines.

Gref startet mittlerweile den vierten Anlauf, um die Gazprom-Aufteilung gegen das Kartell aus ineffizient wirtschaftendem Gazprom- Management und konservativen Bürokraten durchzusetzen. Der Minister setzt diesmal auf die Hilfe ausländischer Minderheitsaktionäre. Ihnen verspricht er die Öffnung des bisher beschränkten Gazprom-Aktienhandels ab 2004.

Bisher können ausländische Investoren offiziell nur so genannte American Deposit Shares (ADS) des russischen Unternehmens kaufen. ADS sind mit Aktien vergleichbar, werden aber im Fall Gazprom nur mit deutlichen Aufschlägen gehandelt. Die in Russland gehandelten Gazprom-Aktien bleiben den Anlegern verwehrt. Über Graumärkte haben sich laut Analysten westliche Anteilseigner aber über ihren offiziellen Besitz von 11 % hinaus noch weitere 10 bis 12% der Gazprom-Anteilsscheine gesichert.

Ob westliche Investoren am Plan des russischen Wirtschaftsministers interessiert sind, bezweifelt Analyst Steven Daschewskij vom Brokerhaus Aton: „Der Staat bekommt nach dem bisherigen Reformkonzept die Kontrolle über die Pipelines, die Gazprom-Aktionäre die Kontrolle über die Förderung. Das dürfte den Anlegern nicht gefallen, denn der Transport ist Gazproms Gewinnbringer.“

Den Anlegern würde eine Öffnung des Aktienmarktes andernfalls aber auch nützen: Die Marktkapitalisierung des Konzerns (gemessen an lokalen Aktien derzeit 24 Mrd. $, gemäß den ADS 44 Mrd. $), würde sich verdoppeln, glaubt die Bank Metropol. Gazproms Papiere könnten laut Aton sogar die Aktien des staatlich kontrollierten Strommonopolisten UES als wichtigste Russland-Aktie ablösen.

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