Rekordergebnis
VW macht mehr als 20 Milliarden Euro Gewinn

Volkswagen hat den Rekordgewinn der Vorjahres getoppt. Europas größter Autobauer konnte das Ergebnis um mehr als sechs Milliarden Euro steigern - und hebt die Dividende an. Die Aktionäre sind trotzdem enttäuscht.
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WolfsburgFast 22 Milliarden Euro Gewinn: Volkswagen hat im abgelaufenen Jahr soviel verdient wie nie zuvor ein deutsches Unternehmen. Selbst die Euro-Krise, unter der die gesamte Konkurrenz von Opel über Ford und Fiat bis Peugeot ächzt, bremste den Zwölf-Marken-Konzern aus Wolfsburg kaum. Trotz heftiger Preiskämpfe in Westeuropa, Milliardeninvestitionen in das neue Baukastensystem und der Eingliederung der Marken Porsche und MAN stieg der Betriebsgewinn 2012 um zwei Prozent auf 11,5 Milliarden Euro, wie VW am Freitag mitteilte. Etwa soviel hatten Analysten erwartet.

"Das wirtschaftliche Umfeld für unser Geschäft ist im Jahresverlauf deutlich schwieriger geworden. Dennoch ist es uns gelungen, die selbstgesteckten Ziele für das Jahr 2012 zu erreichen", sagte Konzernchef Martin Winterkorn. Der Überschuss schnellte wegen Sondereffekten aus der Porsche-Übernahme um fast 40 Prozent auf 21,9 Milliarden Euro. 12,3 Milliarden Euro davon stammen aus Neubewertungen im Zusammenhang mit der vollständigen Übernahme des Porsche-Sportwagengeschäfts, stehen also nur auf dem Papier. Schon im vorangegangenen Jahr hatte Volkswagen aufgrund von Bilanzeffekten aus der geplatzten Fusion mit der Porsche Holding SE unter dem Strich mit knapp 16 Milliarden Euro soviel verdient wie kein deutsches Unternehmen zuvor.

Den VW-Aktionären und der Belegschaft winken angesichts des Rekordgewinns abermals höhere Beteiligungen. Die Dividende soll um 50 Cent auf 3,50 Euro je Stamm- und 2,56 Euro je Vorzugsaktie angehoben werden. Analysten hatten im Schnitt mit 35 Cent mehr für die Stammaktien gerechnet. Das schickte die Aktie auf Talfahrt.

"Die Dividende ist nicht der Knaller", sagte Jürgen Pieper, Autoanalyst von Metzler. Den Kursrückgang der im Dax gelisteten Vorzugsaktie um mehr als sechs Prozent nannte Pieper überzogen. "Die Erfolgsstory von VW ist mit diesen Zahlen nicht zu Ende." Ähnlich sah es SEB-Fondsmanager Jürgen Meyer: "Ich kann kein Haar in der Suppe erkennen." Die 'magere' Dividende sei vor dem Hintergrund der Übernahme von MAN, der Porsche AG und Ducati zu sehen - "das will schließlich auch bezahlt werden".

Wegen des rasanten Gewinnanstiegs beschloss der Aufsichtsrat am Freitag ein neues Vergütungssystem, um den Gehaltsanstieg des Managements zu bremsen. Konzernchef Martin Winterkorn erhält nun rund 14,5 Millionen Euro für das abgelaufene Jahr und damit 5,5 Millionen weniger, als ihm nach den zuletzt gültigen Kriterien zugestanden hätten. Damit will VW verhindern, erneut ins Zentrum einer Diskussion um hohe Managementbezüge zu geraten - wie 2011, als Winterkorn mehr als 17 Millionen Euro verdiente. Auch mit über 14 Millionen ist Winterkorn der am besten bezahlte Vorstandschef in Europa.

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  • Der ach so tolle "Gewinn" ist zu 80-90% nur der "Finanzabteilung" zu "verdanken", die sich an der Reichrechnerei an den Finanzmärkten beteiligt, also jene "Märkte", die durch aus dem Nichts geschöpfte Notenbankenkohle künstlich beatmet werden - und das schon seit langen Jahren. VW ist im Großen, was Porsche zuvor im Kleinen war: ein Hedge-Fonds mit angeschlossener Kfz-Werkstatt.
    Also immer ruhig weiter Jubelpersern.

  • Den Beschäftigten ist es zu gönnen. Der Erfolg wird sich für VW nicht fortsetzen; im Laufe dieses Jahres wird es schon zu Entlassungen kommen, die Dumpingmalocher kriegen die Winterkornrute zuerst zu spüren. Die Preise der Autos sind zu hoch, aber das ist für W. kein Thema. Winterkorn der an Selbstüberschätzung leidet, ist das Pofalla-Zitat, gerichtet an Herrn Bosbach zuzurufen.Na denn.

  • ....so macht man das. Zwei geniale Ingenieure an die Spitze, einen im Vorstand, der andere im Ausichtsrat. Winterkorn und Piech, ein Gespann mit ausserordentlicher Durchschlagskraft. Alles gelingt ihnen, auch die Mehrmarkenstrategie zahlt sich aus. Nicht nur zum Hübschen der Marke VW, sondern rentabel arbeitende Marken und Werke, einfach großartig. Beide besessen vom Automobil. Und die Anderen? Nix (nichts) dergleichen. Daimler, alias Mercedes Benz, ein Trauerspiel, ein Trauerladen, Nadelstreifen, Versager, von der F 1 bis zur Serie, ängstlich aus dem Fenster schauend, was BMW und Audi auf die Straße setzt. Eine Katastrophenfirma zwischenzeitlich, ja, so ist es. Über diesen Laden ein Buch zu schreiben, den Niedergang aufzuzeigen, sollte bald folgen. Aber zurück zu VW.
    Diesen beiden Männern Winterkorn und Piech gebührt höchste Anerkennung und Respekt. Sie haben fast alles erreicht. Und das Letzte wird ihnen auch noch gelingen.

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