Rettungsplan für den US-Autobauer
Obama sieht GM-Pleite als Chance

Zwei Tage nach der Rettung von Opel hat der US-Mutterkonzern General Motors Insolvenz angemeldet. Der Staat übernimmt das Ruder und wird – das steht schon jetzt fest – den Autobauer komplett umkrempeln. US-Präsident Barack Obama zeigt sich zuversichtlich, geht mit seinem Rettungsplan aber ein hohes Risiko ein.

NEW YORK/FRANKFURT. Der jahrzehntelang führende Autohersteller der Welt hat Gläubigerschutz nach dem amerikanischen Chapter 11 beantragt. US-Präsident Barack Obama zeigte sich am Montag jedoch zuversichtlich, dass GM das Insolvenzverfahren rasch hinter sich lassen werde.

Es ist das größte gerichtliche Gläubigerschutz-Verfahren der US-Geschichte. Der Staat muss nun eine komplizierte Pleite managen und macht sich vorübergehend selbst zum Mehrheitseigentümer des US-Riesen. Washington plant, bereits in wenigen Wochen mit einem gesunden Teil des Unternehmens aus der Insolvenz heraus neu zu starten.

101 Jahre nach der Firmengründung steht GM damit vor der Zerschlagung. Der ehemals weltgrößte Autokonzern wird nach dem Willen der Regierung auf zukunftsträchtige Teile wie die Marken Chevrolet, Cadillac, Buick und GMC reduziert. Mit GM und dem Rivalen Chrysler sind binnen eines Monats zwei der drei großen US-Hersteller in die Pleite gerast. Nur Ford, die Nummer zwei im US-Markt, will trotz Milliardenverlusten ohne Staatshilfe weitermachen.

Opel sieht sich nach dem am Wochenende ausgehandelten Rettungspaket von der Insolvenz der Mutter nicht betroffen, " was auch immer in den USA passieren mag", sagte ein Sprecher von GM Europe.

Innerhalb der deutschen Regierung löste das Opel-Rettungspaket jedoch einen schweren Konflikt aus. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte bis zuletzt eine Opel-Insolvenz anvisiert und bekam dafür am Wochenende Rückendeckung aus der Union. Die SPD warf dem Minister dagegen Versagen vor. Sie dringt nun auch auf Hilfen für den Karstadt-Mutterkonzern Arcandor. In der Großen Koalition bahnt sich damit ein neuer Richtungsstreit an.

GM wird nun radikal umgekrempelt: Laut Regierung sollen elf Werke geschlossen und drei weitere nicht mehr genutzt werden. Berichten zufolge sollen erneut Zehntausende Stellen wegfallen. Der Konzern wird seit Ende 2008 über milliardenschwere Finanzspritzen der US-Regierung künstlich am Leben gehalten. Seit 2005 machte GM insgesamt 88 Mrd. Dollar Verlust. Experten blicken dem historischen Ereignis dennoch gelassen entgegen. Der lange erwartete Sturz eines ausgezehrten Riesen verbreite keinen Schrecken, sagten sie.

Obama geht mit seinem Rettungsplan hohes Risiko. Sollte das Projekt misslingen, würde der amerikanische Steuerzahler die Folgen direkt zu spüren bekommen. Als Eigentümer von 60 Prozent der GM-Anteile würde ein weiterer Verfall der Aktien den Staat viel Geld kosten. Am Montag konnte sich der GM-Kurs, der am vergangenen Freitag mehr als 30 Prozent eingebrochen war, wieder etwas erholen.

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