Rezession
Brasilien steckt in der Auto-Krise

Die Rezession in Brasilien setzt vor allem Massenherstellern wie Volkswagen und Fiat zu. Sie haben nicht die richtigen Modelle, um die Käufer zu animieren. Im Premiumsegment steigt die Nachfrage dagegen.
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São Paulo27 Jahre lang war es das meistverkaufte Automodell in Brasilien: Der Gol von Volkswagen. Nachfolger des legendären Käfers. Die drei Modellgenerationen bescherten den Wolfsburgern in Brasilien verlässliche Renditen. Doch das ist nun vorbei. Die Brasilianer haben die Nase voll von dem veralteten Auto, das ihnen mit regelmäßigen Face-Lifts schmackhaft gemacht werden soll. Sie steigen um auf neuere, modernere Modelle von Honda, Hyundai und General Motors.

Für Volkswagen ist das ein Desaster auf dem viertgrößten Automarkt der Welt: Die Verkäufe des Gol haben sich in diesem Jahr bis Mai mehr als halbiert auf 38.000 Fahrzeuge. Da Wolfsburg auch versäumte einen Nachfolger für den Bully zu lancieren, sieht es schlecht aus für Volkswagen in Brasilien: Der Marktanteil von Volkswagen ist auf 15,7 auf 17,5 Prozent eingebrochen. Vor zehn Jahren waren es noch stolze 25 Prozent. 66.000 Autos haben sie bis Mai weniger verkauft als im Vorjahr. Kein Trost dürfte sein, dass es Marktführer Fiat noch schlechter geht: Die Turiner haben dieses Jahr 91.000 Autos weniger verkauft, ihr Marktanteil ist auf knapp 20 Prozent gesunken.

Pech für die beiden Platzhirsche: Ihre veraltete Modellpalette trifft sie in der schwersten Krise der Branche seit langem. Brasiliens Pkw-Markt ist in den ersten vier Monaten des Jahres um 20 Prozent geschrumpft im Vergleich zum Vorjahr. Die Lkw-Verkäufe sind fast zur Hälfte eingebrochen, die der schweren Lastwagen sogar um 60 Prozent. Beim brasilianischen Branchenverband Anfavea hofft Präsident Luiz Moan darauf, dass sich im Juni und Juli die Verkaufszahlen im Vergleich zu Vorjahr verbessern werden. Das liegt jedoch an der niedrigen Vergleichsbasis: Vor zwölf Monaten fand die Fußball-WM in Brasilien statt und die Verkäufe von Autos und Trucks waren zur Jahresmitte 2014 eingebrochen. Doch auch zwei bessere Verkaufsmonate werden die schlechte Stimmung der Branche in Brasilien nicht verbessern. 13 Prozent dürfte der Pkw-Markt dieses Jahr schrumpfen, schätzt der Verband Anfavea. Das scheint optimistisch: Die meisten Hersteller haben ihre Prognosen für den vor Deutschland nach Stückzahlen viertgrößten Automarkt weltweit stärker nach unten revidiert.

Besonders schwer hat es die LKW-Bauer erwischt: Beim Marktführer MAN erwartet man, dass die Verkäufe dieses Jahr 42 Prozent einbrechen werden, nach bereits elf Prozent in 2014 im Vergleich zum Vorjahr. Wegen der Rezession schrumpfen die Transportmengen. Gleichzeitig hat die Regierung die staatlichen Kredite gestrichen. Die Spediteure kaufen weniger neue Trucks, nachdem sie im Rekordjahr 2013 ihre Flotten mit neuen Fahrzeugen ausgestattet haben.

Bei den Pkw sieht die Lage ähnlich aus: Die brasilianischen Käufer sind überschuldet. Die letzten Jahre haben sie noch die staatlich geförderten Kredite und Steuererleichterungen genutzt, um sich Neuwagen zu kaufen. Doch die sind jetzt gestrichen. Mit den stagnierenden Realeinkommen und beginnenden Entlassungen sind sie vorsichtig beim Kauf von Neuwagen. Auch die Ausfuhren helfen nicht, den Einbruch auf dem Binnenmarkt auszugleichen: Der wichtige Absatzmarkt Argentinien ist wegen der dortigen Krise ebenfalls ausgefallen. Die Exporte sind ebenfalls um 40 Prozent geschrumpft in diesem Jahr.

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