Rezession
US-Industrie geht durchs tiefe Tal

Dupont, Caterpillar, Merck & Co - überall das gleiche, düstere Bild. Im Auftaktquaral stehen viele US-Unternehmen mit Gewinneinbrüche da. Und von den Ergebniszielen fürs laufende Jahr gibt es auch keine Spur mehr. Nun kämpft die amerikanische Industrie mit weiteren massiven Kostensenkungen und Entlassungen gegen den Abschwung an.

NEW YORK. Der weltweit führende Baumaschinenkonzern Caterpillar rutschte mit 112 Mio. Dollar zum ersten Mal seit 17 Jahren in die Verlustzone und enttäuschte Investoren mit einem betont schwachen Ausblick. Die Weltwirtschaft werde im laufenden Jahr um 1,3 Prozent schrumpfen und die meiste Zeit des Jahres in der Rezession verharren, erwartet das Management. Caterpillar senkte das Gewinnziel für das Gesamtjahr um fast die Hälfte auf 1,25 Dollar pro Aktie. Die Analystenerwartungen liegen nach Angaben des Finanzdatenanbieters Thomson Reuters noch bei durchschnittlich 1,77 Dollar pro Aktie.

Der Chef der Bank of America, Kenneth Lewis, hatte die Marschrichtung der US-Wirtschaft zu Wochenbeginn vorgegeben: "Es wird erst noch schlechter, bevor es besser wird." Beim US-Pharmakonzern Merck & Co. hat sich zum Jahresauftakt der Gewinn auf 1,5 Mrd. Dollar mehr als halbiert. Der Umsatz sank um acht Prozent auf 5,4 Mrd. Dollar. "Die Zahlen für das erste Quartal reflektieren teilweise auch die Auswirkungen des weltweit schwierigen konjunkturellen Umfelds", sagte Konzernchef Richard T. Clark. Merck & Co. hatte Anfang März angekündigt, für rund 41 Mrd. Dollar Schering-Plough zu schlucken. Pharmakonzerne suchen ihr Heil derzeit in Fusionen, weil sie durch günstigere Nachahmer-Medikamente und politischen Widerstand um ihre traditionell hohen Margen fürchten.

Auch der Mischkonzern United Technologies (UTC) und die Chemiefirma Dupont wiesen gestern empfindliche Gewinneinbrüche für das Startquartal 2009 aus. UTC-Chef Louis Chenevert betonte, dass die Auftragseingänge auch im laufenden Quartal schwach blieben. Mit seiner Luftfahrt-Sparte (u.a. Sikorsky, Pratt & Whitney), dem Aufzugshersteller Otis und dem Heiz- und Lüftungs-Spezialisten Carrier gehört UTC zu den führenden Mischkonzernen weltweit. Der Nettogewinn des Unternehmens brach im ersten Quartal konzernweit um 26 Prozent ein, der Umsatz sank um zwölf Prozent auf 12,25 Mrd. Dollar. UTC hatte bereits im März mitgeteilt, im Zuge der Krise 11 600 Jobs - fünf Prozent der Stellen - abbauen zu müssen.

Caterpillar dünnt sein Personal derzeit sogar um 25 000 Mitarbeiter aus und beschleunigt damit einen Trend, der der US-Regierung in Washington große Sorge bereitet. Seit Beginn der Rezession wurden in der führenden Volkswirtschaft der Welt bereits mehr als fünf Millionen Arbeitsplätze abgebaut, so viele wie seit 1945 nicht mehr. Dabei droht sich die Lage in den kommenden Monaten noch zu verschärfen. Sollte der staatlich gestützte Autokonzern General Motors tatsächlich in ein Konkursverfahren geschickt und der Rivale Chrysler gar liquidiert werden, stünden inklusive Zulieferern weitere Hunderttausende Jobs in den USA auf der Kippe.

Von der desolaten Lage der heimischen Auoindustrie sind nicht zuletzt Chemiefirmen wie Dupont als wichtige Zulieferer betroffen. Dupont teilte gestern mit, das Kostensenkungsprogramm im Zuge der Rezession ebenfalls verschärfen zu müssen. Nach einem Gewinnrückgang um 59 Prozent kündigte Konzernchefin Ellen Kullman an, die Fixkosten um eine Mrd. Dollar sowie die Investitionen um 200 Mio. Dollar zu verringern. Der BASF-Konkurrent hatte vor Monaten bereits die Entlassung von 2 500 Angestellten und 4 000 Vertragsarbeitern angekündigt.

Die Wucht, mit der die Finanzkrise den beginnenden Abschwung der Chemiekonjunktur beschleunigte, hat alle Branchengrößen - einschließlich des deutschen Marktführers BASF - überrascht. Bestellungen brachen zum Teil über Nacht weg, die Kapazitätsauslastung von Großanlagen sank deutlich. Der Umsatz von Dupont fiel im ersten Quartal um 15 Prozent auf 7,27 Mrd. Dollar. Angesichts der hohen Einbußen und der anhaltend schwachen Auftragssituation nahm der Konzern aus Wilmington im US-Bundesstaat Delaware sein Gewinnziel für das Gesamtjahr deutlich zurück. Statt der bisherigen Prognose von 2,00 bis 2,50 Dollar pro Aktie rechnet Dupont jetzt nur noch mit einem Ergebnis zwischen 1,70 und 2,10 Dollar pro Aktie.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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