Riesenjet
Airbus drosselt A380-Produktion noch stärker

Die Probleme mit Triebwerken von Zulieferern machen Airbus weiter zu schaffen. Der Gewinn des Luft- und Raumfahrtkonzerns sinkt daher deutlich. Einen harten Schnitt macht Airbus beim Riesenjet A380.
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FrankfurtTom Enders ist kein Freund schwammiger und die Tatsachen vernebelnder Aussagen. „Es liegt viel auf Tisch, es ist nicht einfach“, sagte der Chef des europäischen Flugzeug- und Rüstungskonzerns Airbus am Donnerstagmorgen bei der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal. „Aber ich will mich nicht beklagen, wir haben ein tolles Team und werden das schaffen.“

Doch die Aufgabenliste ist gewaltig. Da sind zum einen die Triebwerksprobleme der A320neo-Familie. Nach wie vor haben die Motoren des Lieferanten Pratt & Whitney technische Schwierigkeiten. Das sorgt nicht nur dafür, dass bereits ausgelieferte Flugzeuge von den Airlines nur begrenzt eingesetzt werden können und Motoren zurückkommen. Auch habe der Lieferant erst ein Drittel der für das erste Halbjahr zugesagten Triebwerke liefern können. „Das ist unbefriedigend für uns, für die Airlines aber auch für den Hersteller selbst“, sagte Enders.

Noch hält er daran fest, dieses Jahr 200 A320neo ausliefern zu wollen. Im ersten Halbjahr waren es lediglich 59. „Das Ziel ist anspruchsvoller geworden, die Herausforderungen größer als wir zunächst angenommen hatten“, räumte der Airbus-Chef aber ein.

Etwas besser läuft es beim Langstreckenjet A350. 30 Flugzeuge wurden in der ersten Jahreshälfte ausgeliefert, das Ziel von zehn Flugzeugen pro Monat könne wie geplant Ende 2018 erreicht werden. Allerdings hat Großkunde Qatar kürzlich vier A350 storniert, die eigentlich im zweiten Quartal hätten ausgeliefert werden sollen. Zwar sieht Enders offensichtlich noch eine Chance, dass diese Flugzeuge  doch noch bei Qatar landen werden: „Wir sind in Gesprächen, die ich aber nicht kommentieren möchte.“

Doch die Stornierung sowie die anhaltenden Probleme bei der A320neo haben deutliche Spuren im Zahlenwerk des Boeing-Rivalen hinterlassen. So musste Airbus im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang um fünf Prozent auf 15,7 Milliarden Euro hinnehmen. Der um Sonder- und Einmaleffekte bereinigte Betriebsgewinn vor Steuern und Zinsen sank um 27 Prozent auf 859 Millionen Euro. Das war ein stärkeres Minus, als Analysten erwartet hatten. Der  Überschuss gab um 34 Prozent auf 895 Millionen Euro nach.

Auch der freie Mittelzufluss (freier Cashflow) ist von den aktuellen Schwierigkeiten im Geschäft gezeichnet. Zwar verbesserte er sich von minus 2,6 Milliarden auf minus zwei Milliarden Euro. Doch ohne die Stornierungen von Qatar wäre der Wert noch besser ausgefallen, erklärte Airbus-Finanzchef  Harald Wilhelm.

Zudem lasten die Mehrkosten beim  Militärtransporter A400M auf dem Zahlenwerk. Airbus verhandelt hier zurzeit mit den Regierungen, die die Maschine bestellt haben. Man will  Konventionalstrafen und ähnliche Forderungen vermeiden und das Programm doch noch zu einem Erfolg führen. „Ich will hier keine Einzelheiten nennen, möchte die Gespräche aber als konstruktiv bezeichnen“, so Enders.

Keinen Erfolg gibt es dagegen bei der Suche nach neuen Kunden für den Riesen-Jumbo A380. Airbus will deshalb die Produktion von 15 in diesem Jahr auf zwölf im Jahr 2018 und dann acht ab 2019 reduzieren. Doch diese Baustelle wird nach Aussagen von Finanzchef Wilhelm nur noch „marginale Effekte“ auf die Bilanz haben und keineswegs dazu führen, dass an der Prognose gerüttelt werden müsse. „Wir können mit acht Flugzeugen pro Jahr ohne Probleme bis in die 2020er Jahre arbeiten“, ergänzte Enders.

Für das Gesamtjahr sagt Airbus die Auslieferung von 700 Zivilflugzeugen  voraus. Das bereinigte Betriebsergebnis soll um einen mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen. Den Investoren reichten diese Aussagen angesichts der vielen Baustellen des Konzerns nicht. Sie schickten die Aktie am Vormittag um fast drei Prozent in den Keller.

Vielleicht auch, weil Enders mehr als deutlich betonte, dass diese Prognose nicht zuletzt daran hänge, dass die Triebwerkslieferanten endlich das liefern würden, was sie zugesagt hätten.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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