Roboterhersteller
Grenzebach führt und kontrolliert Kuka

Der Augsburger Roboterhersteller Kuka hat kurz vor Ultimo doch noch einen neuen Vorstand gefunden. Till Reuter, der Investmentbanker und Vertraute des Großaktionärs, des Maschinenbauers Grenzebach, ist am Montagabend vom Kuka-Aufsichtsrat zum neuen Unternehmensführer bestimmt worden.

HAMBURG. Die Personalie, die eigentlich schon am vergangenen Freitag beschlossen werden sollte, hatte in den vergangenen Tagen zu lebhaften Diskussionen geführt. Mit seiner Entscheidung wendet der Kuka-Aufsichtsrat gerade noch das Szenario ab, zum Monatsanfang völlig ohne Vorstand dazustehen – ein aktienrechtlich unmöglicher Zustand.

An Reuter lag die Verzögerung nicht – jedenfalls nicht direkt. Der 41-Jährige ist erst seit Anfang September Aufsichtsratschef, nachdem er als Vertreter des 30-Prozent-Aktionärs Grenzebach vier amtierende Aufsichtsräte mit scharfen Vorwürfen aus dem Unternehmen gedrängt hatte. Die beiden einzigen Vorstände, Horst Kayser (Vorsitz) und Matthias Rapp (Finanzen) legten ihre Ämter zum Monatsende nieder.

Doch vier Wochen waren nicht genug Zeit, um einen geeigneten Vorstand für einen technisch so anspruchsvollen und finanziell so angeschlagenen Konzern wie Kuka zu finden. Für eine Übergangslösung, so die Überlegung, sollte Reuter den Job machen. Da er in dieser Zeit sein Aufsichtsratsmandat ruhen lassen musste, sollte sein Stellvertreter im Aufsichtsrat auf den Stuhl des Chefkontrolleurs nachrücken,

Diese Aussicht allerdings löste Schockwellen aus. Als das Handelsblatt am vergangenen Freitag berichtete, mit Jürgen Kerner werde künftig ein IG-Metall-Sekretär dem Kuka-Kontrollgremium vorstehen, gingen andere Aufsichtsräte auf die Barrikaden. Die Sitzung am Freitag, bei der die Entscheidung hätte fallen sollen, wurde ergebnislos vertagt.

Die Argumentation der Kritiker: Was wäre, wenn ein Großkunde oder eine Bank die neue Führung des Roboterherstellers zum Kennenlernen und gleichzeitigen Krisengespräch einlädt? Die Vorstellung, dass mit Reuter ein Investmentbanker und an seiner Seite mit Kerner ein IG Metaller bei einem solchen Termin aufkreuzen, sorgte für extreme Aufregung. Die Reaktion des US-Investors Guy Wyser-Pratte, der zehn Prozent an Kuka hält, ist nicht druckbar.

Kerner war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Von Gewerkschaftsseite hieß es gestern, auch den Arbeitnehmern sei die zuerst angedachte Lösung als verkehrtes Rollenspiel unlieb. Kuka ist von der Autokrise schwer getroffen – ein Stellenabbau nicht ausgeschlossen. Wollte denn wirklich ein IG Metaller als Aufsichtsratschef für harte Einschnitte verantwortlich zeichnen?

Nun ist die Idee vom Tisch. Künftig wird der Kuka-Aufsichtsrat nicht von der IG Metall geführt, sondern von Bernd Minning, dem Geschäftsführer von Grenzebach. Der 55-Jährige ist ein Technikexperte und gilt als ruhiger und sehr sachlicher Verhandlungspartner. Beides sind Qualitäten, die er in den kommenden Monaten brauchen wird. Grenzebach hat mehr als 90 Mio. Euro für seine Kuka-Aktien ausgegeben, und es läuft nicht gut. Allein im ersten Halbjahr schrieb der Roboterhersteller bei 438 Mio. Umsatz ein operatives Minus von 23 Mio. Euro. Nun haben Minning und Reuter es selbst in der Hand, ihr Investment zu retten.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%