Rosneft macht Kehrtwende
Verwirrspiel um Ausgang einer Yukos-Auktion

Zunächst schien es so, dass Rosneft für schlappe 305 Millionen Dollar den Zuschlag für 1,5 Milliarden Dollar Barvermögen von Yukos und 49 Prozent des Pipeline-Betreibers Transpetrol aus der Slowakei bekommen habe. Dann sagte die staatliche russische Ölfirma am Mittwoch aber, sie habe doch nicht die Auslandswerte des Rivalen ersteigert. Wer die Auktion gewann, blieb zunächst unklar.

HB MOSKAU. Rosneft-Sprecher Nikolai Manwelow hatte vor Beginn der Auktion gesagt, Rosneft werde über seine Tochter Promneftstroi bei der Versteigerung bieten. Daneben gab es nur noch die unbekannte Firma Versar als Interessenten. Bei der Auktion bekam Promneftstroi dann den Zuschlag. Kurz danach erklärte Manwelow überraschend, Rosneft habe keinerlei Verbindungen zu Promneftstroi und weder Rosneft noch irgendeine Tochter des Konzerns habe bei der Auktion geboten. Erklären wollte er die Kehrtwende nicht. „Die anderen Dinge kommentiere ich nicht“, sagte er lediglich.

Rosneft war zwar schon in der Vergangenheit mehrfach bei Yukos-Auktionen gegen unbekannte Firmen unterlegen. Doch stellte sich später immer heraus, dass Rosneft am Ende doch der Eigentümer der versteigerten Werte war.

Am Mittwoch waren Auslandswerte von Yukos unter den Hammer gekommen, darunter 1,5 Mrd. Dollar Barvermögen. Ehemalige Yukos-Manager haben den Verkauf aber vor Gerichten in den Niederlanden angefochten. Nach Angaben von Anwälten kann es Jahre dauern, bis der neue Eigentümer auf seinen ersteigerten Besitz zugreifen kann. Mit genau diesen Hürden hatte der Yukos-Konkursverwalter auch gerechtfertigt, dass die Versteigerung bereits bei 305 Mill. Dollar enden konnte.

Rosneft hat in der Vergangenheit nahezu alle Yukos-Werte ersteigert. Die Auktion verlief dabei fast immer gleich: Es gab neben Rosneft nur einen weiteren - zuvor völlig unbekannten - Bieter, der zumeist unmittelbar nach Auktionsbeginn ausstieg.

Yukos war einst Russlands größter Ölproduzent. Angesichts von rund 30 Mrd. Dollar Steuer-Nachforderungen erklärte ein Gericht die Firma jedoch 2006 für bankrott. Yukos-Gründer Michail Chodorkowski - einst der reichste Mann Russlands - sitzt wegen Steuerhinterziehung in Sibirien in Haft. Viele Beobachter haben die Verfahren als politisch motiviert und von Präsident Wladimir Putin initiiert bezeichnet. Chodorkowski hatte politische Ambitionen durchblicken lassen. Die meisten Kommentatoren halten auch die Auktionen für Alibi-Veranstaltungen, die von der Regierung gesteuert werden.

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