Rücktritt von Siemens-Aufseher
Von Pierer fällt tief

Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer tritt zurück. Lange hatte er sich dagegen gesträubt, doch letztlich wurde der Druck zu groß. Die Schmiergeldaffäre und weitere Skandale lasten schwer auf dem Unternehmen – und auf ihm. Es ist der Tiefpunkt in der Karriere eines der angesehensten Manager Deutschlands.

HB MÜNCHEN. „Ich gehe davon aus, dass die Neubesetzung des Aufsichtsratsvorsitzes auch einen Beitrag leisten wird, unser Unternehmen allmählich wieder aus den Schlagzeilen und in ruhigeres Fahrwasser zu bringen“, sagte Pierer am späten Donnerstagabend in München. Eine persönliche Verantwortung für die Affäre trage er aber nicht. „Ich habe immer die Überzeugung vertreten, dass die Pflicht gegenüber dem Unternehmen und seinen weit mehr als 400 000 Mitarbeitern in aller Welt Vorrang vor eigenen Interessen haben muss.“

Nachfolger Pierers wird Aufsichtsratsmitglied Gerhard Cromme. Der Wechsel an der Spitze des Kontrollgremiums solle am kommenden Mittwoch (25. April) erfolgen, teilte Siemens mit. Cromme solle den Vorsitz für den Rest der laufenden Amtsperiode bis zur Hauptversammlung am 24. Januar nächsten Jahres übernehmen. Ob er auch darüber hinaus als Chefkontrolleur gewünscht oder nur eine Zwischenlösung ist, ließ das Unternehmen offen. Cromme ist bereits Aufsichtsratsvorsitzender von Thyssen-Krupp; mehrere Chefkontrolleursposten sind jedoch nicht selten.

Cromme war bereits seit längerem als Nachfolger von Pierers im Gespräch. Als Vorsitzende der Regierungskommission Corporate Governance gilt er als Saubermann in der deutschen Wirtschaft. Das Gremium legt die freiwilligen Grundregeln für vorbildliche Unternehmensführung in Deutschland fest. Er leitet zudem den Prüfungsausschuss im Siemens-Aufsichtsrat, der die Schmiergeld-Affäre aufklären soll.

Angesehener Manager

Pierer war lange Zeit einer der angesehensten Manager in Deutschland. Er berät Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und galt zeitweise sogar als Unions-Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten. An der Spitze von Siemens stand er als Vorstandsvorsitzender von 1992 bis Ende Januar 2005. Anschließend wechselte er an die Spitze des Aufsichtsrats.

Pierer sagte, wegen der großen wirtschaftlichen Erfolge bei Siemens falle ihm die Entscheidung zum Rücktritt leichter. Vorstandschef Klaus Kleinfeld legt in der kommenden Woche die aktuellen Geschäftszahlen vor. Laut Branchenkreisen ist der Konzern trotz der Schmiergeldaffäre operativ gut unterwegs. Alle Geschäftsbereiche sollen – wie von Kleinfeld vor knapp zwei Jahren für diesen Zeitpunkt versprochen – die ehrgeizigen Renditevorgaben des Konzerns erreicht haben.

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