Rüstung
Endspiel um den Eurofighter beginnt

Der politische Konflikt um den Eurofighter geht in eine entscheidende Runde. Bis zur Sommerpause sollen der Bundestag zu einer verbindlichen Entscheidung kommen. Doch das Rüstungsprojekt ist umstritten. Droht jetzt ein Produktionsstopp?

BERLIN/MÜNCHEN. Politik und Industrie ringen um die Kosten des Kampfflugzeugs Eurofighter. "Wir bestehen auf die im Rahmenvertrag zugesagten Stückzahlen", sagte ein Sprecher des auf Herstellerseite federführenden EADS-Konzerns auf Anfrage. Das Unternehmen reagiert damit auf Forderungen der europäischen Abnehmerstaaten. Diese drängen darauf, die für die dritte Auslieferungstranche vereinbarte Stückzahl von 236 Maschinen und die dafür anfallenden Kosten zu drücken. Die Länder sollen bis Ende März ihre Vorschläge über Einschnitte bei dem Kampfflugzeug vorlegen. Anschließend wollen sie über Stückzahlen mit der Industrie reden.

Der Eurofighter ist neben dem geplanten Transportflugzeug A400M das wichtigste militärische Beschaffungsprojekt in Europa und für Deutschland der größte Einzelposten mit insgesamt 25 Mrd. Euro inklusive Bewaffnung und Entwicklung. Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien haben sich verpflichtet, insgesamt 620 Maschinen in drei Produktionstranchen abzunehmen. Während die erste Tranche praktisch ausgeliefert und die zweite fest bestellt ist, wird die dritte Runde zur Pokerpartie. Vor allem England und Italien wollen ihre Bestellungen wegen erheblicher Haushaltsprobleme drastisch reduzieren.

Die große Koalition in Berlin ist über das Projekt zerstritten: Das vom CDU-Politiker Franz Josef Jung geführte Verteidigungsministerium will an der Bestellung der in die dritte Tranche fallenden 180 Eurofighter festhalten. Die SPD droht dagegen mit Abbestellungen für den Fall ihres Sieges bei der Bundestagswahl im September: "Wenn wir gewinnen, werden wir nur noch vier statt fünf Eurofighter-Geschwader aufbauen und unsere Bestellungen für die dritte Tranche halbieren", sagte der SPD-Verteidigungspolitiker Hans-Peter Bartels. Für die Industrie drängt also die Zeit: Die letzte Bundestagssitzung, in der über die Kampfjet-Order beschlossen werden könnte, ist Ende Juni. Ansonsten müssten die Abgeordneten Sonderschichten einlegen.

Die Maschinen sollen zwischen 2013 und 2018 ausgeliefert werden. Experten zweifeln an der militärischen Notwendigkeit, Politikern sind vor allem die hohen Kosten ein Dorn im Auge. Deutschland müsste im letzten Teil der Auslieferung 68 Maschinen zum derzeitigen Preis von rund 86 Mio. Euro abnehmen. Insgesamt bekäme die Bundeswehr dann 180 Jets.

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