Russischer Bergbaukonzern in der Krise
Norilsk muss Milliarden abschreiben

Die Zukunft des russischen Bergbaukonzerns Norilsk Nickel erscheint zunehmend unsicher. Eine unglückliche Übernahme belastet das Unternehmen. Dennoch schmiedet Hauptaktionär Wladimir Potanin große Pläne: Er will den Konzern zu einem echten Global Player machen.

MOSKAU. Der russische Bergbaukonzern Norilsk Nickel hat 2007 nach Abschreibungen überraschend weniger verdient als im Vorjahr. Nach Angaben des größten Nickel und Palladium-Produzenten der Welt fiel der Nettogewinn mit 5,32 Mrd. Dollar elf Prozent niedriger aus. Der Umsatz stieg jedoch nach Akquisitionen um 44 Prozent auf 17,1 Mrd. Dollar.

Der Konzern, der seit Monaten im Zentrum von Übernahmegerüchten steht, hatte 2007 den Konkurrenten Xstrata beim Kauf des Bergbaukonzerns Lion Ore ausgestochen, um seine Aktivitäten in Australien und Afrika auszubauen. Bei Lion Ore scheiterte doch ein Projekt in Botswana und Norilsk sah sich nun dazu veranlasst, den Wert des Zukaufs um 1,1 Mrd. Dollar zu senken.

Abschreibungen von 756 Mill. Dollar lasten auch auf dem Wert des Stromversorgers OGK-3, den Norilsk für 5,4 Mrd. Dollar im Zuge der Privatisierung des russischen Strommonopolisten RAO UES gekauft hatte. Norilsk-Chef Denis Morosow hatte die gesamte Energieerzeugung aus dem Konzern ausgliedern wollen, war aber mit seinem Plan am Widerstand eines der Hauptanteilseiger, des Milliardärs Mikhail Prochorow, gescheitert. Der verkaufte später 25 Prozent seines Pakets an den Aluminiumkonzern Rusal - für Bargeld und eine Beteiligung an dem Alu-Konzern. Dessen Mehrheitsaktionär Oleg möchte Rusal nun mit Norilsk verschmelzen.

Darüber wie es bei Norilsk strategisch weiter gehen soll, herrscht noch keine Klarheit: Im Ringen um die Zukunft des größten russischen Bergbaukonzerns will dessen Hauptaktionär Wladimir Potanin gemeinsam mit dem Metall-Oligarchen Alischer Usmanow einen Konzern schmieden, der später auch den Aluminiumhersteller Rusal einschließt und dann auf einen Marktwert von gut 120 Mrd. Dollar käme. Usmanow hatte angekündigt mit zehn Prozent bei Norilsk einzusteigen, Potanin wiederum bei Usmanows Metalloinvest.

Das Bündnis der beiden Milliardäre hatte die Pläne von Deripaskas Rusal torpediert. Rusal-Großaktionär Prochorow zeigte sich am Rande des St. Petersburger Wirtschaftsforums am vergangenen Wochenende überzeugt, dass eine Fusion von Norilsk und Rusal sinnvoll sei - der internationale Trend stehe klar für eine Konsolidierung. Ob jedoch ein dreifacher Zusammenschluss mit Metalloinvest profitabel sei, müssten Banken prüfen.

Die Unsicherheit über die Zukunft von Norilsk wie auch fallenden Nickel-Preise haben inzwischen Banken wie Unicredit oder Uralsib veranlasst, ihre Gewinnerwartungen für Norilsk zu senken. Der Fokus von Analysten und Investoren ist nun auf den 30. Juni gerichtet, wenn sich die Norilsk-Aktionäre treffen. Dann steht vor allem die Neubesetzung des Aufsichtsrats an. Prochorow, der selbst einen Sitz im obersten Kontrollgremium des Konzerns anstrebt, erwartet, dass dann auch über den Vorschlag zu einer "Dreierfusion" beraten wird. Rusal-Eigentümer Deripaska hat sich bisher noch nicht dazu äußern wollen. tom

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