Russischer Gasmonopolist
Gazprom will in Deutschland wachsen

Der russische Energieriese Gazprom will mehr Gewicht im deutschen Gasmarkt und seinen Einfluss auf den deutschen Gasmarkt ausbauen. Dazu wollen die Russen bald ihre Anteile an dem ostdeutschen Gashändler VNG verdoppeln. Außerdem habe Gazprom Germania grundsätzlich weitere Zukäufen in Deutschland im Blick.
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HB FRANKFURT. „Wir arbeiten seit fast 20 Jahren daran, bei VNG eine angemessene Stellung zu bekommen. Ich hoffe, dass das nun gelingt“, sagte Gazprom-Deutschland-Chef Hans-Joachim Gornig der „Wirtschaftswoche“. Die Russen sind bislang mit fünf Prozent beteiligt.

Gazprom will die VNG-Beteiligung von GdF Suez übernehmen, im Gegenzug soll der französische Wettbewerber an der Nord-Stream-Pipeline beteiligt werden. „Aber das entscheidet nicht allein Gazprom. Auch die anderen Aktionäre im Nord-Stream-Konsortium müssen einverstanden sein“, sagte Gornig dem Blatt.

Gazprom ist nicht das einzige Unternehmen, das bei der VNG mehr Einfluss will. Größter Aktionär des ostdeutschen Gashändlers ist die EnBW mit 48 Prozent. Der Anteil ist EnBW-Chef Hans-Peter Villis zu wenig, um die Kontrolle über das Unternehmen auszuüben. Medienberichten zufolge gibt es gegen eine Aufstockung von EnBW bei VNG aber Widerstand der anderen Aktionäre, neben Gazprom und GdF gehören dazu Kommunen und die BASF-Tochter Wintershall. Auch Wintershall hat Interesse an einer Erhöhung seiner VNG-Anteile signalisiert.

Gazprom und Wintershall gehört auch die Nummer drei auf dem deutschen Gasmarkt Wingas. Platzhirsch im deutschen Gasgeschäft ist bisher Eon Ruhrgas vor RWE.

Gazprom sieht „Liberalisierungswut“ in Europa

Gazprom Germania habe grundsätzlich weitere Zukäufen in Deutschland im Blick. „Den deutschen Markt behalten wir im Auge. Wenn sich interessante Chancen bieten, werden wir die genau prüfen.“ Pläne zum Kauf von regionalen Versorgern seien aber auf Eis gelegt, sagte Gornig dem Magazin. „Wenn die Versorger ihre Netze verkaufen, verlieren sie für Investoren wie uns an Wert.“ Was in Europa vorgehe, sagt der Manager, „grenzt an Liberalisierungswut“.

Rund zwei Mrd. Euro habe Gazprom in den vergangenen 20 Jahren in die Infrastruktur seiner Tochter Wingas investiert. „Dieses Geld ist jetzt nicht mehr dasselbe wert wie vor ein paar Jahren. Ich glaube auch nicht, dass die Trennung von den Netzen die Versorgungssicherheit erhöht. Als Käufer sind schon reine Finanzinvestoren im Gespräch“, kritisierte Gornig.

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