RWE-Chef Roels
„Die Erfolgsstory lasse ich nicht kaputtreden“

Auf der Bilanz-Pressekonferenz von RWE In Essen sprach mit Harry Roels ein Chef, der spätestens im November keiner mehr sein wird. Statt eine zweite Amtszeit anzutreten, muss Roels seinen Stuhl räumen. Allerdings präsentierte er in Essen nun vor allem eins: Die Zahlen einer Erfolgsgeschichte.

ESSEN. Harry Roels kommt sofort zur Sache. Kaum hat der RWE-Chef auf dem Podium Platz genommen, das Blitzlichtgewitter hat sich noch nicht gelegt, da macht er „aus aktuellem Anlass eine persönliche Vorbemerkung“: „Es ist mir ein Anliegen, dass sich diese personellen Veränderungen in absolut geordneten Bahnen vollziehen“, sagt der Mann, dem der Aufsichtsrat zwei Tage zuvor eine Verlängerung seines Anfang 2008 auslaufenden Vertrages verweigert und für den er bereits einen Nachfolger gefunden hat. Der Stahlmanager Jürgen Großmann wird bereits am ersten November ein Büro im Essener RWE-Turm beziehen. Roels ist spätestens dann entmachtet. Er wolle Großmann möglichst schnell in Strategie und Planung einbeziehen, verspricht der Vorstandschef auf Abruf nüchtern.

Eigentlich sollte auf der Tagesordnung im RWE-Pavillon in der schicken Essener Neuen Philharmonie nur die Jahresbilanz für 2006 stehen. Jetzt steht vor allem eine Frage im großen und hellen Raum: Was geht in Harry Roels jetzt vor?

Der Niederländer geht mit der Situation professionell und gewohnt nüchtern um. Mit raschen Schritten eilt er an den Fotografen vorbei aufs Podium. Geduldsam stellt er sich mit den Vorstandskollegen noch einmal vors RWE-Logo. Der Manager hält die Arme hinter dem Rücken, lächelt etwas, wirkt leicht verlegen. Das hat der große, hagere Mann aber eigentlich schon immer getan. Auch wenn sich keine der unzähligen Kameras auf Rolf Pohlig, den neuen Finanzchef, richten, sondern nur auf ihn, der die tragische Figur geben soll, heißt die Botschaft: RWE soll wieder „zum Tagesgeschäft übergehen.“ Fast auf den Tag genau zwei Jahre zuvor, an selber Stelle, hat Roels vielleicht den größten taktischen Fehler gemacht. Er hat öffentlich sein Interesse an einer zweiten Amtszeit bekundet. Schon damals gab es Zweifel, kursierten gar Gerüchte, über eine vorzeitige Ablösung. Schon damals machten ihm Heckenschützen im Konzern und die schwierigen Machtverhältnisse im Aufsichtsrat, in dem sich Kapitalseite, kommunale Aktionäre und gleich zwei Gewerkschaften gegenüberstehen, das Leben schwer. Demonstrativ bezeichnete der ehemalige Shell-Manager damals den Vorstandsvorsitz als den „besten Job, den ich je hatte“. Ob er das immer noch so sieht?

Schon wieder sind die Heckenschützen unterwegs, streuen Gerüchte über die vermeintlich wahren Hintergründe. Die freundliche Version lautet, der Niederländer selbst sei amtsmüde, mit der vorzeitigen Bestellung eines Nachfolgers wolle man eine Hängepartie vermeiden. Die böswillige behauptet, dass Roels Investmentbanker für einen Verkauf des Unternehmens kontaktiert habe.

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