Safthersteller Rabenhorst bleibt traditionsbewusst
Rotbäckchen feiert Geburtstag

Zwei Geistesblitze haben das Haus Rabenhorst groß gemacht: Zum einen die Erkenntnis, dass Traubensaft auch ohne Alkohol schmeckt. Zum anderen die Erfindung des „Rotbäckchen“-Saftes, den ungezählte Kinder seit den 50er-Jahren getrunken haben. Jetzt wird Rabenhorst 200 Jahre alt.

DÜSSELDORF Wer die Geschichte des Hauses erzählen will, muss mit dem Pfarrer Johann-Heinrich Lauffs beginnen, der 1805 in Oberwinter am Rhein ein Weingut gründete. Jahrzehntelang pressten seine Mitarbeiter und die seiner Nachfahren Trauben aus, verkauften Wein und Weinbrand. Irgendwann gegen Ende des 19. Jahrhunderts muss ein Mitarbeiter nach der Traubenkelter genascht haben. Der Traubensaft schmeckte ihm – und dem Firmenchef Alexander Lauffs, Johann-Heinrichs Enkel. Darum vermarktete Alexander den Saft bald als „alkoholfreien Wein“.

Das gab Probleme mit der Winzerlobby ein: Sie wollte den Begriff „Wein“ nur verwendet wissen, wenn die Konsumenten von dem Getränk betrunken werden konnten. Doch 1910 entschied das Königliche Landgericht in Neuwied, dass auch alkoholfreier Wein erlaubt war.

Nach dem ersten Weltkrieg setzten sich Alexanders Söhne Günther und Walther in der aufkeimenden „Reformbewegung“ für gesunde Ernährung ein. Aus dem alkoholfreien Wein wurde der „Rote Rabenhorster“, ein Saft mit Eisenzusatz.

Ein Trank nach diesem Vorbild sollte auch nach dem zweiten Weltkrieg die Kinder wieder zu Kräften bringen. Die Lauffs mischten Traubensaft mit dem von anderen Früchten, schütteten etwas Honig dazu und nannten das Gemisch „Rotbäckchen“ – genau dazu sollte das Getränk verhelfen.

Mit Rotbäckchen landeten Günther und Walther Lauffs einen Hit. Eine ganze Generation kennt aus ihrer Kindheit das rotbackige Mädchen mit den blonden Haaren und dem blauen Kopftuch, das die Lauffs auf ihre Etiketten druckten. Doch so erfolgreich das Rotbäckchen auch war, erst nach 40 Jahren war es alt genug für die Disco: In den 90er-Jahren entdeckten Jugendliche die Saftmischung wieder und tranken sie beim Tanzen mit Zitronen auf Eis.

Dieser Trend ist wieder vorbei, doch das Unternehmen macht immer noch ein gutes Geschäft: Der Umsatz ist auf 30 Mill. Euro gestiegen, Geschäftsführer Karl Stoffel bringt immer neue Saftmischungen auf den Markt, dazu Bio-Erzeugnisse wie Wein, Nudeln und Tee. Stoffel betont aber: „Wir sind sehr traditionsbewusst.“ Vielleicht feiert Rabenhorst deshalb so oft Jubiläum: In den vergangenen zehn Jahren zum Beispiel den 100. Jahrestag der Geburt des Rotbäckchen-Erfinders, den 50. Geburtstag der Saftmarke oder die ersten 100 Jahre am heutigen Standort Unkel.

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