Sammelklage wegen Light-Zigaretten
Neue Tabak-Klage in USA

Ein US-Bundesgericht in Brooklyn hat am Montag eine milliardenschwere Sammelklage gegen Philip Morris und weitere Zigarettenhersteller zugelassen. In dem so genannten Schwab-Fall, bei dem Schadensforderungen von 200 Mrd. Dollar angedroht werden, geht es um die nach Ansicht der Kläger betrügerischen „Light“-Kampagnen der Zigarettenkonzerne.

NEW YORK. Sie verführten Raucher damit zu dem Irrglauben, „Light“-Zigaretten seien gesünder als herkömmliche, heißt ihre Argumentation. Aktien des Philip-Morris-Mutterkonzerns Altria Group fielen im frühen Handel an der New Yorker Börse um mehr als vier Prozent.

Analysten rechnen nicht damit, dass dieser Fall dramatisch hohe Schadenszahlungen für die Tabak-Industrie nach sich ziehen wird. Philip Morris USA sowie andere Branchenvertreter wie Reynolds American oder Loews Carolina haben in den vergangenen Jahren alle großen Tabakprozesse im Land für sich entschieden. Erst im Juli 2006 kam die Branche auch aus dem so genannten Engle-Prozess ungeschoren davon: Eine Sammelklage von 700 000 Rauchern, die Strafen von 145 Mrd. Dollar eingefordert hatten, lehnte der Oberste Bundesgerichtshof des US-Bundesstaates Florida als unrechtmäßig ab. Die weitgehende Sorgenfreiheit der Branche lässt sich seit Monaten am Aktienkurs der Marlboro-Mutter Altria ablesen: Die Papiere notieren trotz ihres gestrigen Rücksetzers in der Nähe ihres Allzeithochs bei mehr als 80 Dollar.

Dennoch hat das US-Konglomerat mit fast 100 Mrd. Dollar Umsatz seit Jahren vor, zumindest sein internationales Tabakgeschäft aus den Fängen der US-Justiz zu befreien. Zahlreiche Analysten erwarten, dass der Tabak- und Nahrungsmittel-Riese Altria noch im laufenden Jahr grundlegend umorganisiert und aufgespalten wird. Wall-Street-Spekulationen zufolge könnte Altria sein Zigarettengeschäft dann in einen US-Zweig und einen außeramerikanischen Teil aufspalten.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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