Schaeffler/Conti
Wie zwei Männer planlos um Conti kämpfen

Vor einem Jahr begann Schaeffler, den Konkurrenten Conti zu übernehmen. Seither ging fast alles schief – auch weil sich Schaeffler-Boss Jürgen Geißinger und Conti-Chef Karl-Thomas Neumann einen Machtkampf liefern. Beide haben jeweils eigene Pläne, wie aus zwei schwachen Konzernen ein starker werden soll. Der nächste große Knall ist programmiert.

MÜNCHEN/HAMBURG. Sieger sehen anders aus. Müde sitzt Conti-Chef Karl-Thomas Neumann an diesem Julitag im feinen Münchener Hotel Bayerpost. Falten haben sich in den vergangenen Monaten in sein Gesicht gegraben. Und doch: Neumann genießt diesen Auftritt in der ehemaligen Post am Hauptbahnhof, die Gelegenheit, über Elektroautos fachzusimpeln und darüber, was Conti zu dem Automobil der Zukunft beitragen kann.

Einmal muss er nicht über das leidige Thema Schaeffler und Conti reden und darüber, was aus dem Gemeinschaftsunternehmen denn nun werden soll. Einmal muss er nicht über Auswege aus verfahrenen Situationen philosophieren. Er sei froh, räumt Neumann ein, wenigstens hier nicht über den Ärger mit dem Großaktionär reden zu müssen und damit über sein Duell mit Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger.

Es wird nicht lange dauern, bis Neumann das Thema wieder eingeholt hat.

Genau ein Jahr ist es her, dass die Schaeffler KG angekündigt hat, die Continental AG übernehmen zu wollen. Ganz schön frech: Ein mittelständisches Unternehmen aus Herzogenaurach in der fränkischen Provinz will einen dreimal größeren Dax-Konzern schlucken. Solch einen gewagten Coup hat das Land noch nicht gesehen.

Viele applaudierten, die Renaissance der Familienunternehmen ward gelobt, eine neue Dynastie namens Schaeffler geadelt, die in die Liga der Porsches, Piëchs und Albrechts aufsteigt. Etwas ganz Großes sollte entstehen: ein Gemeinschaftsunternehmen mit weltweit 220000 Mitarbeitern, 35 Milliarden Euro Umsatz und drei Milliarden Vorsteuergewinn. Das war die Vision.

Was folgt, ist ein Hauen und Stechen, Ziehen und Schieben, Tricksen und Täuschen wie selten zuvor bei einer Übernahme. Fast nichts läuft nach Plan, auch weil etwas dazwischenfunkte: die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise. Schaeffler erwarb die Conti-Aktien zu einem – aus heutiger Sicht – fantastischen Preis.

Folge: Schaeffler kontrolliert zwar Conti, ist aber heillos überschuldet. Nur weil die Banken Abschreibungen vermeiden wollen, haben die Schaefflers und ihr Geschäftsführer Geißinger in ihrem Konzern noch etwas zu sagen. Conti macht alles nur noch schlimmer: Der Autozulieferer aus Hannover hat selbst noch mit Milliardenverbindlichkeiten zu kämpfen. Insgesamt schulden beide Konzerne ihren Gläubigern 22 Milliarden Euro.

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