Schärfere Sanktionen
Firmen im Iran droht Versicherungsverlust

Die EU verschärft heute die Sanktionen gegen das Land. Versicherer warnen nun Konzerne, die im dort tätig bleiben wollen. Eine ganze Reihe deutscher Unternehmen hat die Geschäftsbeziehungen mit dem Iran ohnehin bereits beendet.
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BRÜSSEL/MÜNCHEN/FRANKFURT. Die EU-Außenminister werden heute schärfere Sanktionen gegen den Iran beschließen. Die Verordnung enthält ein weitreichendes Versicherungsverbot für Iran-Geschäfte von Unternehmen. Von Seiten der EU hieß es zwar, das betreffe nur iranische Unternehmen.

Europäische Firmen könnten ihre Geschäfte im Iran auch künftig versichern, sofern diese in keinem Zusammenhang mit der Nutzung von Atomenergie stünden. Doch die Versicherungswirtschaft fürchtet, dass sie durch die verschärften Sanktionen auch wichtige europäische Firmen nicht mehr versichern kann.

Die EU-Verordnung sieht vor, dass Finanztransfers in den Iran ab einem Volumen von 10 000 Euro den Behörden gemeldet werden müssen. Bei Finanztransfers über 40 000 Euro müssen Banken und Versicherungen eine behördliche Genehmigung einholen. An welche Bedingungen diese geknüpft wird, soll die Verordnung regeln.

Die Versicherungswirtschaft hat schon reagiert. "Die Allianz zeichnet kein originäres Iran-Geschäft und gewährt auch keine Deckung für rein iranische Risiken", erklärte der Versicherer. Lediglich im Rahmen internationaler Versicherungsprogramme würden noch geringe Anteile iranischer Risiken gedeckt.

Der größte Versicherer Europas befürchtet, dass "es künftig nicht mehr möglich sein wird, die Risiken europäischer Industriekunden im Iran zu versichern - und dies obwohl unsere Kunden zum Beispiel der Lebensmittel- und Pharmaindustrie weiterhin im Iran tätig sein können".

Die Branche versucht wegen der Unsicherheit, den Fokus der Sanktionen noch zu beeinflussen, wie der Schweizer Versicherer Zurich andeutete. International tätige Unternehmen mit Sitz in der EU versichert Zurich ebenfalls in der EU und ist somit auch an die Sanktionen gebunden. In der Branche wird erwartet, dass asiatische Versicherer versuchen könnten, sich das freiwerdende Iran-Geschäft zu sichern. Diese würden weniger Skrupel kennen.

Der deutsche Versicherungverband GDV warnt vor einer "nicht beabsichtigten Beeinträchtigung des Versicherungsschutzes für unbeteiligte Bürger und Unternehmen". Oft seien die geplanten Regelungen von den Versicherern "praktisch kaum umsetzbar", weil ein Bezug des Versicherungsnehmers zum Iran für sie meist nicht erkennbar sei. Das sei etwa bei Warentransportversicherungen für Öl so, die auf Jahresbasis abgeschlossen würden und ganze Flotten für Transporte weltweit abdeckten. Für Versicherungsunternehmen sei es daher unmöglich zu wissen, ob eine versicherte Ladung von oder nach Iran transportiert wird. Auch der Schutz für einen Baukonzern könne Probleme aufwerfen.

Eine Reihe von deutschen Unternehmen hat die Geschäftsbeziehungen mit dem Iran ohnehin schon beendet oder das Neugeschäft aufgegeben. So nehmen der Siemens-Konzern und der Gasehersteller Linde keine Bestellungen mehr an. Bayer und BASF wollen dagegen die Geschäftsbeziehungen im legalen Rahmen aufrechterhalten.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

Kommentare zu " Schärfere Sanktionen: Firmen im Iran droht Versicherungsverlust"

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  • ich würde das Land schnellstens Verlassen !!!

    Quelle israel Heute !

    israel: Vorbereitung auf den „Tag danach,,

    israels Außenministerium bereitet sich auf den Tag nach der bekanntmachung vor, dass der iran eine Atombombe besitzt und alle Versuche der UNO, das Atombombenprogramm zu stoppen, gescheitert sind. Man will unter allen Umständen einen nuklear bewaffneten iran als Nachbarn verhindern, möglichst auf diplomatischem Weg. Alle Optionen seien noch offen, wurde aus dem Ministerium mitgeteilt. Für den Fall, dass israel ausländischen Medien zufolge nicht mehr die einzige Atommacht in der Region ist, werden Pläne ausgearbeitet. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man sich in Jerusalem mit dieser Realität abgefunden hat, sondern lediglich, dass man darauf vorbereitet sein wolle. „Du bereitest dich auf eine Naturkatastrophe vor, obwohl du alles in deiner Macht Stehende tust, um diese Katastrophe abzuwenden“, so ein beamter des Außenministeriums. Angeblich sei der Nationale Sicherheitsrat ebenfalls damit beschäftigt, ähnliche Pläne auszuarbeiten.

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