Schätzungen der Analysten punktgenau getroffen
Euro und Konjunkturflaute belasten Linde

Der starke Euro-Wechselkurs und geringere Einnahmen bei Industriegasen drücken beim Wiesbadener Mischkonzern Linde den Betriebsgewinn. Dennoch bekräftigte Konzernchef Wolfgang Reitzle den Geschäftsausblick für das Gesamtjahr und gab damit der Aktie einen kräftigen Kursschub.

Reuters WIESBADEN. In den ersten sechs Monaten verdiente Linde operativ weniger als ein Jahr zuvor, wobei sich das Geschäft aber im zweiten Quartal etwas belebte. „Wir haben die Ärmel hochgekrempelt und sehen bereits jetzt gute Ergebnisse, die allerdings vom Markt und negativen Währungseffekten aufgezehrt werden,“ erläuterte Linde-Chef Reitzle am Donnerstag den Zwischenbericht. Für das Gesamtjahr 2003 bekräftigte er trotz eines rückläufigen Auftragseingangs die Prognosen, wonach Umsatz und operativer Gewinn leicht zulegen sollen.

Analysten sprachen von soliden Halbjahreszahlen und werteten insbesondere den bekräftigten Jahresausblick des Konzerns, der auch in den Sparten Gabelstapler, Anlagenbau und Kältetechnik tätig ist, positiv. Manche Branchenexperten hatten im Vorfeld mit einer Rücknahme des Geschäftsausblicks gerechnet. Die Aktie war am frühen Abend mit einem Plus von 4,78 % auf 37,05 € der größte Gewinner im Deutschen Aktienindex.

Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebita) sei zum Vorjahreszeitraum um 9,6 % auf 253 Mill. € gesunken, teilte Linde mit. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten hatten für das Halbjahr im Durchschnitt mit einem operativen Ergebnis von 254 Mill. € gerechnet. Der Konzernumsatz legte um 1,2 % auf 4,167 Mrd. € zu. Der Auftragseingang ging um 8,1 % auf 4,44 Mrd. € zurück. Nach Steuern verzeichnete Linde einen Überschuss von 52 (Vorjahr: 214) Mill. €. Im Vorjahr war aber ein hoher Sonderertrag aus einem Beteiligungsverkauf angefallen.

Im Rückgang des operativen Ergebnisses im Halbjahr spiegele sich vor allem das schwache erste Quartal wider, teilte Linde mit. Damals war der operative Gewinn um 19,4 % eingebrochen. Im zweiten Quartal verharrte das operative Ergebnis dagegen - wie von Analysten erwartet - mit 149 Mill. € annähernd auf Vorjahreshöhe. Nur noch das Ergebnis des Gabelstaplerbereichs sei leicht rückläufig gewesen. Die anderen Sparten hätten sich verbessern können.

Im größten Unternehmensbereich Gas & Engineering erwirtschaftete Linde im Halbjahr ein operatives Ergebnis von 300 Mill. €, ein Rückgang von 3,8 %. Hier hätten sich vor allem negative Währungseinflüsse und ein rückläufiges Zylindergasgeschäft ausgewirkt. Der Umsatz legte um vier Prozent auf 2,42 Mrd. € zu.

Für die Sparte Linde Gas erwartet Linde nun im Gesamtjahr einen Umsatz auf Vorjahresniveau, das operative Ergebnis werde niedriger ausfallen. Im Anlagenbaubereich werde der Umsatz steigen, das Ergebnis aber rückläufig sein. Der Gabelstaplerbereich werde bei leichtem Umsatzplus das operative Ergebnis verbessern, wobei der Konzern aus seinem laufenden Kostensenkungsprogramm bis Jahresende Einsparungen von 30 Mill. € erwartet. „Der größte Effekt wird in der zweiten Jahreshälfte sein“, sagte Linde-Finanzchef Hero Brahms in einer Telefonkonferenz. Zudem teilte Linde mit, über das Einsparziel von 100 Mill. € hinaus seien bis 2005 weitere Kostensenkungen möglich.

Der kleinste und seit längerem stagnierende Bereich Kältetechnik soll bei Umsatz und Ergebnis 2003 das Vorjahresniveau erreichen. Die Sparte, die Linde nach früheren Angaben bis zum Jahresende rechtlich verselbstständigen und ausgliedern will, soll ihre Ertragskraft nachhaltig stärken. „Falls wir in der absehbaren Zukunft nicht erfolgreich sind, dann müssen wir über eine Option zu verkaufen nachdenken“, sagte Finanzchef Brahms. Ähnlich hatte sich schon Konzernchef Reitzle geäußert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%