Scheitern die Verhandlungen?
Chrysler-Käufer wittert Verrat

Die geplante endgültige Trennung des Stuttgarter Autobauers Daimler von seiner Beteiligung an der ehemaligen US-Sparte Chrysler droht zu scheitern. Die Gespräche seien in den letzten Wochen durch überzogene Forderungen von Cerberus wesentlich erschwert worden, sagte gestern ein Daimler-Sprecher.

STUTTGART. So forderte der Chrysler-Mehrheitseigentümer von den Stuttgartern mehr Geld als der Investor selbst für Chrysler ausgegeben habe. Nach Angaben von Daimler hatte Cerberus für die Übernahme der 80,1 Prozent an Chrysler rund 7,2 Mrd. Dollar investiert.

Daimler gehören noch 19,9 Prozent an dem US-Autobauer. Cerberus warf dem Stuttgarter Konzern in einer gestern Abend herausgegebenen Erklärung vor, "absichtlich und wesentlich" seine vertraglichen Verpflichtungen zu brechen. Dies betreffe unter anderem Leasing-Praktiken. Die Vorwürfe von Cerberus seien "an den Haaren herbeigezogen", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche gestern auf einer Veranstaltung des Handelsblatt in München. Die Gespräche seien aber weder beendet noch gescheitert, betonte ein Daimler-Sprecher. Chrysler und Cerberus wollten zu den Vorwürfen zunächst keine Stellung nehmen.

Der Vorstoß der Stuttgarter ist allerdings ein deutlicher Warnschuss in Richtung Cerberus. Das Verhandlungsklima zwischen den Parteien ist offensichtlich auf dem Nullpunkt angelangt. In Unternehmenskreisen von Daimler hieß es, dass Cerberus angesichts der ernsthaften Probleme von Chrysler offenbar mit dem Rücken zur Wand stehe und nun versuche, herauszuholen, was herauszuholen sei. Auch Auto-Analyst Georg Stürzer von der Unicredit bewertet die Situation ähnlich. "Man sieht, dass Cerberus das Wasser bis zum Hals stehen muss", sagte er.

Die Börse reagierte verschnupft auf die Ankündigung. Die Daimler-Aktie rutschte gestern Nachmittag ins Minus. Analysten hatten zuletzt vor einem Maximalrisiko für das Unternehmen durch die Beteiligung an dem US-Autobauer von noch rund drei Mrd. Euro gewarnt. Zu den Verbindlichkeiten gehören unter anderem eine Absicherung von Chrysler-Pensionszusagen durch Daimler über eine Milliarde Dollar und Garantiezusagen an Zulieferer über 700 Mio.. Dollar sowie ein Garantiekredit über 1,5 Mrd. Euro. Stürzer von der Unicredit betonte aber, dass die Liquidität von Daimler nur noch mit maximal einer Mrd. Dollar belastet werden könnte.

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