Schering-Übernahme
Merck lässt sich das Einlenken vergolden

Der spektakulärste Übernahmekampf in der deutschen Industriegeschichte ist beendet. Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck hat mit dem Verkauf seines Schering-Anteils für 3,7 Milliarden Euro an Bayer den Weg für die Übernahme des Berliner Kokurrenten geebnet.

HB FRANKFURT. Wenige Stunden vor Ablauf des offiziellen Kaufangebots an alle Aktionäre sicherte sich Bayer nun höchstwahrscheinlich die geforderten 75 Prozent und damit den Zugriff auf die Berliner Pharmafirma. "Wir sind sehr froh über diese Entscheidung von Merck, denn ein langfristiger Bieterwettbewerb hätte die Zukunft von Schering stark beeinflusst", gab sich Bayer-Chef Werner Wenning erleichtert. "Wir sind sehr optimistisch, nunmehr mindestens die Dreiviertel-Mehrheit bei Schering zu bekommen und damit den Integrationsprozess schnell angehen zu können", fügte er hinzu.

Merck lässt sich sein Einlenken allerdings vergolden. Aus dem Verkauf ihres Schering-Pakets erzielt die Merck KGaA nach eigenen Angaben einen satten Gewinn von 400 Millionen Euro. "Kurzfristige Spekulationsgewinne waren nie unser Ziel und sind wahrlich kein Handlungsmotiv für ein Unternehmen, das in Generationen denkt", ließ Merck-Chef Michael Römer mitteilen. Merck und Bayer kündigten mit ihrer Einigung die Prüfung von Kooperationen an, machten aber keine konkreten Angaben dazu.

Der mehrheitlich in Familienbesitz befindliche Konzern, der im vergangenen Jahr mit seinem regulären Geschäft netto rund 670 Millionen Euro verdient hatte, hielt zuletzt 21,8 Prozent an Schering. Bayer muss nun allen Anteilseignern 89 Euro je Aktie zahlen und damit drei Euro mehr als zuvor geboten. Ursprünglich hatte Bayer für Schering 16,5 Milliarden Euro hinlegen wollen, nun werden es einige Hundert Millionen mehr.

Dementsprechend sorgt sich Schering-Betriebsratschef Norbert Deutschmann, dass der Übernahmekampf böse Folgen für die Beschäftigten des Berliner Pharmaunternehmens haben könnte. "Wir befürchten, dass den hohen Preis die Arbeitnehmer zahlen, weil mehr eingespart werden muss in den Augen von Bayer und damit mehr Arbeitsplätze verloren gehen könnten", sagte Deutschmann zu Reuters-TV am Mittwoch.

Seite 1:

Merck lässt sich das Einlenken vergolden

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%