Schering-Übernahme
„Spekulationsgewinne waren nie unser Ziel“

Der Pulverdampf hat sich verzogen, doch viele Fragen bleiben. Nachdem Merck dem Konkurrenten Bayer einen deutlich höheren Preis für die Übernahme des Schering-Konzerns abgetrotzt hat, liegen Mercks Motive nach wie vor im Dunkeln. Auf jeden Fall fordern Experten schon Änderungen im Übernahmerecht.

HB DARMSTADT. Nur eins ist klar: Das Husarenstück, das der Chemie- und Pharmaspezialist Merck an der Börse inszeniert hat, bringt dem Traditionsunternehmen einen außerordentlichen Gewinn von knapp 400 Mill. Euro. Der Vorsitzende der Merck-Geschäftsführung, Michael Römer, war daher am Mittwoch bemüht, dem öffentlichen Eindruck gegenzusteuern, Merck habe sich dem Kasino-Kapitalismus in die Arme geworfen: "Kurzfristige Spekulationsgewinne waren nie unser Ziel und sind wahrlich kein Handlungsmotiv für ein Unternehmen, das in Generationen denkt."

Die an die Methoden von anglo-amerikansichen Hedge Fonds erinnernde Aktion hatte Merck in der Presse während der vergangenen Tage ein teils verheerendes Echo eingetragen. Arbeitnehmervertreter hatten darauf hingewiesen, dass die Fusion von Bayer und Schering, die ohnehin Tausende Arbeitsplätze kosten wird, für die Beschäftigten nun noch teurer werden könnte. Denn höhere Kredite für die Übernahme von Schering erhöhen den Druck auf Bayer, rasch die Kosten zu senken und damit gegebenenfalls noch mehr Personal abzubauen.

Unternehmenskreise waren bemüht, den rasanten Aufkauf von Schering-Aktien in den vergangenen Tagen als Akt der Selbstverteidigung darzustellen. Der Erwerb von zum Schluss knapp 22 Prozent der Aktien habe lediglich dem Zweck gedient, bei Schering einen Fuß in der Tür zu halten, für den Fall, dass die Übernahme durch Bayer scheitert, hieß es bei Merck. Erstaunlich allerdings, dass es weit und breit niemanden gab, der die Übernahme zu Fall bringen konnte, außer eben Merck.

Dem griechischen Tankerkönig Aristoteles Onassis wird der Ausspruch nachgesagt, Geld dürfe man nicht nachlaufen: "Man muss ihm entgegen gehen." 400 Mill. Euro sind für einen mittelgroßen Konzern wie Merck kein Pappenstiel. Zum Vergleich: Der Nettogewinn des Darmstädter Chemie- und Pharmaunternehmens belief sich im vergangenen Jahr auf 658,9 Mill. Euro.

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