Schiefergas
Total will Frankreichs Bodenschätze erobern

Der viertgrößte Ölkonzern der Welt möchte in Frankreich Schiefergas fördern. Das Projekt würde das Land unabhängiger von Energieimporten machen – birgt aber auch große Gefahren für die Umwelt.
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ParisFür die einen ist es das Eldorado, für die anderen eine Umweltkatastrophe: Die Förderung von Schiefergas in Frankreich. Das Öl- und Gasgemisch, das in Schieferplatten gebunden ist und nur mit Hilfe von chemischen Zusätzen zu bergen ist, befindet sich ausgerechnet in höchst problematischen Gegenden.

Ein Vorkommen liegt in der Ile de France, also unmittelbar um die Hauptstadt Paris; ein zweites im Larzac, einer unwirtlichen Hochebene ganz im Süden, die jedoch die Geburtsstätte der französischen Öko-Aktivisten ist. Der dritte Fund lagert bei Montélimar südlich von Lyon. Um die Förderung ist ein erbitterter politischer Streit entbrannt.

Dabei stehen sich Unternehmen, Politiker und Umweltschützer gegenüber. Frankreichs globalisierungskritischer Industrieminister Arnaud Montebourg träumt davon, mit Hilfe von Schiefergas die französischen Energieimporte drastisch reduzieren zu können. Sie machen mehr als die Hälfte des französischen Außenhandelsdefizit aus.

Zwar weiß niemand, wie viel Schiefergas tatsächlich in Frankreichs Boden schlummert. Total, der viertgrößte Mineralölkonzern der Welt und Frankreichs größtes Unternehmen, ist sich aufgrund geologischer Kenntnisse so gut wie sicher, dass es dort ruht. Zahlen nennt Total jedoch nicht.

So sind die kühnsten Schätzungen im Umlauf: Sie reichen bis zur Behauptung einer Wirtschaftszeitung, dass Frankreichs Gasbedarf damit auf hundert Jahre gedeckt werden könne. Derartige Hoffnungen treffen auf eine Linksregierung, die angesichts des anhaltenden Arbeitsplatzabbaus dringend einen industriepolitischen Erfolg braucht. Montebourg sieht im Schiefergas die Chance dazu. Doch davor steht ein großes Hindernis.

Die konservative Vorgängerregierung hatte Total zwar im März 2010 die Genehmigung erteilt, die Gegend um Montélimar zu erforschen. Doch kurz vor Beginn des Präsidentschaftswahlkampfes im Oktober 2011 kassierte sie diese Erlaubnis wieder, aus Angst vor einer Öko-Polemik.

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