Schifffahrt
Piraten zwingen Reederei Maersk zum Umdenken

Eine der größten Reedereien der Welt hat jetzt Konsequenzen aus den Piratenüberfällen gezogen. Ab sofort fahren die Schiffe des Konzerns eine Route, mit der sich die Piraten umfahren lassen. Deutsche Reedereien betrachten die Lage mit gespannter Ruhe. Denn für die Piraten sind deutsche Containerschiffe keine leichte Beute.

HB KOPENHAGEN. Der dänische Reederei-Konzern A.P.Møller-Maersk hat ab sofort aus Furcht vor Piraten den Kurs ihrer Tanker und anderer langsamer Schiffe auf dem Weg nach Asien geändert. Wie Unternehmenssprecher Søren Skou am Freitag in Kopenhagen bestätigte, dürfen die betroffenen Schiffe nicht mehr den Suez-Kanal und den sich anschließenden Golf von Aden benutzen, wenn sie zwischen Europa und Fernost verkehren. Stattdessen müssen sie den um ein Vielfaches längeren Weg um das Kap der Guten Hoffnung am südlichen Zipfel Afrikas nehmen.

Deutsche Reeder können den Schritt von Maersk nachvollziehen, wie Handelsblatt.com von einem namhaften deutschen Reeder erfahren hat, der namentlich nicht genannt werden will, um die Lage nicht weiter anzuheizen. Denn: Langsame und tief im Wasser liegende Schiffe wie etwa Tanker oder Bulk Carrier (Massengutschiffe, die zum Beispiel Erz transportieren) sind für die Piraten leichte Beute. Bei den von deutschen Schifffahrtsgesellschaften vornehmlich eingesetzten Containerschiffen sieht das schon anders aus.

Diese, so der Fachmann, seien nicht nur deutlich schneller, sondern die steilen, hohe Kielwände würden ein Kapern durch Piraten immens erschweren. "Gleichwohl gibt es natürlich auch für diese Schiffe ein Gefährdungspotenzial", so der Mitarbeiter der in Hamburg ansässigen Gesellschaft.

Die Bewaffnung oder den Einsatz von privaten Sicherheitsdiensten zum Schutz der Schiffe, lehnt er ab. "Die Sicherheit ist Aufgabe der Politik, nicht der Handelsschifffahrt", sagt der Reederei-Mitarbeiter. Im Übrigen gebe es aus der Politik hoffnungsvolle Signale, dass die Krise bald gelöst sei. Vor allem die Ankündigung Rußlands, sich militärisch zum Schutz der Schifffahrt zu engagieren, sei in Hamburg mit Erleicherung aufgenommen worden.

Maersk teilte in seiner Begründung mit, dass die Nutzung der Route durch den Suez-Kanal nur mit Eskorte von Kriegsschiffen wegen der explosiven Zunahme der Überfälle von Piraten möglich sei , hieß es weiter. Das dänische Unternehmen betreibt die größte Containerflotte der Welt und schickte bisher mehr als 100 Schiffe pro Monat durch den Suez-Kanal. Nach der Umlegung der Route müssen Kunden etwa zwei Wochen länger auf ihre Fracht warten.Skou erklärte, seine Reederei rechne mit einer "vernünftigen Lösung" für das Problem zunehmender Piraterie vor Somalias Küste im Laufe "einiger Monate".

Das Verteidigungsministerium hat unterdessen zur Bekämpfung der Piraterie auf hoher See die Einrichtung eines eigenen internationalen Strafgerichtshofes gefordert. Da die Zuständigkeit der bestehenden Gerichte nicht ausreiche, müsste man „einen neuen Uno-Gerichtshof schaffen“, sagte der parlamentarische Staatssekretär Christian Schmidt (CSU) der „Berliner Zeitung“. Auch der Unions-Verteidigungsexperte Andreas Schockenhoff forderte die schnelle Einrichtung eines Strafgerichtshofes gegen Piraterie.

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