Schlechte Exportchancen
A400M könnte zum Ladenhüter werden

Es sind wieder einmal schwierige Tage für Airbus, in denen sich die schlechten Nachrichten häufen. Hier ist die nächste, diesmal geht es um den A400M: Die Exportchancen für den Militärtransporter sind laut einer umfangreichen Studie deutlich geringer als bisher erwartet.
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HB BERLIN. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PWC) gehe von einem Exportpotenzial von 280 Flugzeugen aus, heißt es in einer Unterrichtung des Parlaments durch das Bundesverteidigungsministerium, die Reuters am Donnerstag vorlag. Der Rüstungskonzern EADS rechnet dagegen mit deutlich mehr Exporten. "Wir halten an unserer Marktanalyse von 400 bis 500 Flugzeugen fest - egal, was ein Beratungsunternehmen sagt", betonte ein EADS-Sprecher.

Eine weitere Verschlechterung der Export-Aussichten hätte auch finanzielle Auswirkungen für die Käuferstaaten, die Europas größtes Rüstungsprojekt gerade erst mit einem Rettungspaket im Volumen von 3,5 Mrd. Euro vor dem Scheitern bewahrt hatten. 1,5 Mrd. Euro davon gewähren die Nationen Airbus als Darlehen, dessen Rückzahlung an den Exporterfolg des Militärtransporters gekoppelt ist. Den deutschen Anteil von 500 Mio. Euro stellt die staatliche Bankengruppe KfW zur Verfügung. "Für den Fall, dass die erwartete Zahl der Exportflugzeuge A400M nicht erreicht wird, trägt der Bund (Einzelplan 14) das Ausfallrisiko für das Restdarlehen", heißt es in dem Schreiben des Verteidigungsministeriums. Der Einzelplan 14 ist der Haushalt des Wehrressorts.

Auch das Gerangel über die Preisanpassungsklausel im A400M-Vertrag geht weiter. Die Industrie habe bisher nicht nachweisen können, dass sie durch die geltende Klausel benachteiligt werden, heißt es in dem Schreiben. "Die Frist für diesen Nachweis ist bis Ende Dezember 2010 verlängert worden". Die bisherige Klausel bleibe daher im Vertrag unverändert enthalten.

Der A400M soll zwischen November 2014 und 2020 an die Bundeswehr ausgeliefert werden, wo er die über 30 Jahre alten Transalls ersetzen wird. Die Deutschen hatten ihre Bestellung als Teil des Rettungspakets um sieben auf 53 Maschinen reduziert und damit ihren Anteil von 670 Mio. Euro an der Preiserhöhung um zwei Mrd. Euro aufgebracht.

Ab Juni 2012 soll der A400M als Basisversion verfügbar sein und schließlich im Dezember 2018 seinen endgültigen Standard erreichen. Früher ausgelieferte Maschinen sollen später auf Kosten von EADS auf diesen Standard hochgerüstet werden. Dies bedeute allerdings keine weitere Verzögerung des A400M, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die zeitliche Staffelung sei bereits im ursprünglichen Vertrag von 2003 vorgesehen gewesen. Ein EADS-Sprecher betonte, der A400M werde von der ersten Auslieferung an einsatzfähig sein.

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  • That plane is easily convertible into a short range passenger plane commuting between major cities in European countries. it would truly be an 'airbus' that makes sense.

  • Die Rückzahlung des Darlehens ist an den Produkterfolg gekoppelt? Solche Konditionen möchte ich von meiner bank auch einmal haben. Die Staaten binden sich damit doch als (privat-) wirtschaftliche Risiko ans bein. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem feststeht, daß das Produkt - wenn überhaupt - die notwendigen Leistungsdaten nur knapp erfüllt.

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