Schmiergeldaffäre
MAN ging erst spät an die Öffentlichkeit

Dass es bei MAN unzulässige Schmiergeldzahlungen gegeben hat, war konzernintern schon seit drei Jahren bekannt. Doch bei der Aufarbeitung ließ es das Unternehmen langsam angehen - zu langsam, wie Kritiker bemängeln. Angelastet wird das vor allem Ex-Chef Håkan Samuelsson.
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MÜNCHEN. Der Korruptionsskandal bei MAN, da sind sich viele Kenner des Unternehmens einig, ist nur der Auslöser für den Rücktritt von Håkan Samuelsson gewesen. Vor allem habe der Schwede den Plänen des VW-Patriarchen Ferdinand Piëch im Wege gestanden. Dennoch sehen Experten Versäumnisse beim Umgang mit der Korruptionsaffäre. "Der Versuch, es bei einer - unzureichenden - internen Aufklärung zu belassen und durch Verzicht auf Strafanzeigen einen Reputationsschaden zu vermeiden, war ein vermeidbarer, schwerwiegender Fehler", sagte Peter von Blomberg, Vizechef von Transparency International in Deutschland, gestern dem Handelsblatt. Der Vorstand habe in seiner Vorbildrolle versagt.

Intern waren bei MAN Hinweise auf Schmiergeldzahlungen schon seit 2006 bekannt. Mehrere Beteiligte wurden gefeuert, die Staatsanwaltschaft aber nicht informiert. Erst als die Ermittler bei einer Durchsuchungsaktion Anfang 2009 ins Haus kamen, ging MAN notgedrungen an die Öffentlichkeit und trieb die Aufklärung der Affäre und den Ausbau des Compliance-Apparats energischer voran.

Siemens gibt ein Beispiel

Ähnlich war es bei Siemens gewesen, im bisher größten deutschen Schmiergeldskandal. Auch bei dem Technologieriesen hatte es Hinweise auf einzelne Vorfälle über die Jahre hinweg immer wieder gegeben. Das radikale Ausmisten samt fast kompletter Erneuerung der Führungsspitze begann aber erst nach einer großen Razzia der Staatsanwaltschaft. In ihrer Dimension unterscheiden sich die Fälle. Siemens geht von mindestens 1,3 Mrd. Euro aus. Bei MAN könnten sich die Schmiergeldzahlungen an Mitarbeiter von MAN-Kunden laut neuesten Spekulationen auf etwa 100 Mio. Euro belaufen.

Nach Angaben aus dem Konzern haben auch die jüngsten internen Untersuchungen keinerlei Hinweise auf eine persönliche Verwicklung Samuelssons ergeben. "Wir haben keine Verdachtsmomente", sagte ein hochrangiger MAN-Manager dem Handelsblatt. Samuelsson sei aber offenbar für sich zu dem Schluss gekommen, dass er mehr hätte machen können: "Er war ja immerhin zehn Jahre bei MAN in führenden Funktionen."

Auch einer der involvierten Wirtschaftsanwälte vermutet, dass vor allem der Machtkampf mit VW Samuelsson zum Rücktritt bewegt hat. Dennoch müsse sich der gestürzte MAN-Chef vorhalten lassen, dass die Kontrollsysteme zu schwach ausgebaut gewesen seien. So sei die Compliance-Abteilung im Vergleich zu anderen Konzernen wie Thyssen-Krupp oder Siemens unterbesetzt gewesen. Auch hier justierte MAN nach Bekanntwerden der Affäre nach. So wird zum Jahreswechsel ein neuer Bereich Compliance eingerichtet. Die Leitung übernimmt der neue Chief Compliance Officer Olaf Schneider. "Wir konnten den Eindruck gewinnen, dass im zweiten Anlauf das Notwendige getan wird", kommentierte Antikorruptionskämpfer von Blomberg die Maßnahmen. Dennoch empfindet Transparency International den Rücktritt Samuelssons als "angemessen". Schließlich sei die restlose Aufklärung nicht nur zu spät erfolgt, die Schmiergeldzahlungen seien zudem auch in seinem früheren Verantwortungsbereich erfolgt.

Sein Aufsichtsratsmandat bei Siemens soll Samuelsson behalten. "Das ist nicht an den MAN-Vorsitz gebunden", hieß es in Branchenkreisen. Der Schwede war vor zwei Jahren ins Kontrollgremium gewählt worden - und konnte hier beobachten, wie massiv eine Compliance-Organisation ausgebaut werden kann. Manches dürfte er sich da für MAN abgeschaut haben, doch wohl zu spät.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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