„Schraubstock der Politik“
Generikahersteller setzen weniger um

Die Spargesetze der großen Koalition im Arzneimittelbereich zeigen Wirkung: Nachdem schon im vergangenen Jahr die Umsätze der Generikahersteller deutlich hinter der Absatzentwicklung zurückgeblieben waren, gingen die Erlöse im ersten Halbjahr dieses Jahres sogar erstmals zurück.

BERLIN. Obwohl 183 Millionen oder 8,1 Prozent mehr Packungen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres verkauft wurden, schrumpfte der Umsatz zu Herstellerabgabepreisen um 5,4 Prozent. Dies geht aus den Marktdaten 2006/2007 hervor, die der Branchenverband Pro Generika gestern vorstellte. In den Zahlen sind die Rabatte, die die Krankenkassen inzwischen für 17 756 Arzneimittel mit 26 Prozent der auf dem deutschen Markt aktiven Generikahersteller vereinbart haben, nicht enthalten.

Pro-Generika-Geschäftsführer Hermann Hoffmann führt diese Entwicklung vor allem darauf zurück, dass der Gesetzgeber zwar dezentrale Wettbewerbsinstrumente wie Rabattverträge fördere, aber gleichzeitig an politischen Regulierungsmechanismen wie Festbeträgen, Zwangsrabatten der Industrie oder Bonus-Malus-Regelungen für die Ärzte festhalte. „Dadurch wird die deutsche Generika-Industrie in einen Schraubstock aus dirigistischen Regelungen und wettbewerblichen Zwängen gepresst, der den ohnehin harten Preiswettbewerb künstlich überhitzt,“ klagte Hofmann. Die Branche habe kein Problem damit, mit den Krankenkassen über Rabatte zu verhandeln. Die Politik müsse aber endlich dafür sorgen, dass die Kassen dabei wie jedes andere Unternehmen dem Kartell- und Wettbewerbsrecht unterliegen.

Der hinter dem Umsatzeinbruch stehende Preisverfall geht zum einen darauf zurück, dass die Krankenkassen gesetzlichen Vorgaben folgend die Festbeträge für etliche Präparate deutlich gesenkt haben. Das sind die Preise, die die Kassen maximal für ein Medikament erstatten. Zudem haben viele Unternehmen ihre Preise gesenkt, um sich vom zehnprozentigen gesetzlichen Zwangsrabatt frei zu kaufen. Der fällt nämlich flach, wenn der Apothekenpreis 30 Prozent unter dem Festbetrag liegt.

Dass die Kassenausgaben für Medikamente gleichwohl weiter deutlich steigen, geht zum einen darauf zurück, dass die Ärzte insgesamt wieder mehr Medikamente verordnen (+2,4 Prozent). Vor allem aber stieg der Umsatz mit patentgeschützten Medikamenten, die keiner Generikakonkurrenz ausgesetzt sind, erneut deutlich um mehr als neun Prozent zu Herstellerpreisen, obwohl die Menge der abgesetzten Packungen gleich blieb. Kostentreiber Nummer eins sind dabei Spezialpräparate wie Zytostatika zur Krebsbehandlung, auf die zwar nur 2,2 Prozent der Verordnungen, aber 20 Prozent der Arzneimittelausgaben der Krankenkassen entfallen.

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