Schwedische Autobauer
Saab entlässt 750 Mitarbeiter

Anders als im Fall Volvo gewährt die schwedische Regierung der GM-Tochter Saab keine Unterstützung. Die Restrukturierung aus eigener Kraft gerät zum Kraftakt für den Autobauer, 750 der etwa 4.000 Mitarbeiter müssen in einem ersten Schritt gehen.

STOCKHOLM. Ein weiterer rabenschwarzer Tag für den schwedischen Auto-Hersteller Saab: Gestern gab die Geschäftsleitung in Trollhättan bekannt, dass man 750 der insgesamt 4100 Arbeitsplätze streichen will. Nach schwedischem Arbeitsrecht muss ein Unternehmen zunächst eine Kündigungsandrohung aussprechen, über die dann mit den Gewerkschaften vverhandelt wird. Deshalb ist es bislang unklar, wieviele Arbeitsplätze tatsächlich bei dem unter Zwangsverwaltung stehenden Autobauer verschwunden werden.

Saab-Chef Jan-Åke Jonsson begründete den Schritt mit der schwierigen Situation, in der sich sein Konzern befindet. Saab gehört zu General Motors. Der selbst schwer angeschlagene US-Riese will sich bis Jahresende von seiner schwedischen Tochter trennen. Das schwedische Unternehmen beantragte vor einem Monat Gläubigerschutz und steht seitdem unter Zwangsverwaltung.

Jonsson hatte der schwedischen Regierung einen Sanierungsplan vorgelegt, um eine Bürgschaft für einen Kredit der Europäischen Investitionsbank EIB zu erhalten. Die Regierung in Stockholm weigert sich jedoch vehement, diese Bürgschaft zu übernehmen, da sie nicht an das Zukunftskonzept glaubt. Bis Ende kommenden Jahres, so der Saab-Plan, will das Unternehmen wieder in die schwarzen Zahlen fahren. Automobilanalysten zeigen sich allerdings skeptisch, ob das gelingen kann.

Saab habe seit 15 Jahren keine Gewinne mehr gemacht, sagen sie und weisen darauf hin, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr nur noch 94 000 Wagen weltweit absetzen konnte. Seit der Zwangsverwaltung ist der Absatz noch einmal deutlich eingebrochen.

Unterdessen geht die Suche nach möglichen Investoren bei Saab weiter. Jonsson bestätigte gestern, dass es insgesamt acht potenzielle Käufer für seinen Konzern gebe. Namen wollte er nicht nennen, doch es soll sich auch eine schwedische Investorengruppe unter den Interessenten befinden.

Ein Branchenkenner sagte dem Handelsblatt, dass es sich möglicherweise um eine kleine Gruppe privater Investoren von der schwedischen Westküste handeln könne. Größere Investmentgesellschaft wie die Holdiing der Industriellenfamilie Wallenberg, Investor, waren an Saab beteiligt und stiegen vor zehn Jahren aus. „Die werden nie und nimmer dort wieder einsteigen“, sagte der Experte dem Handelsblatt.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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