Showdown bei Grammer
Machtkampf in der Autobranche

Die Autoindustrie schaut am Mittwoch nach Amberg: Die Aktionäre des Zulieferers Grammer stimmen darüber ab, ob die umstrittene Investorenfamilie Hastor die Kontrolle übernimmt. Für die Branche steht viel auf dem Spiel.
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AmbergBisher war das Machtgefüge in der Autobranche wie zementiert: Die wenigen großen Hersteller stehen einer Menge kleiner Zulieferer gegenüber und können ihnen mit ihrer Einkaufsmacht die Bedingungen diktieren. Doch voriges Jahr bekamen diese Beziehungen Risse, als die Prevent-Gruppe im Streit mit Volkswagen die Lieferung von Getriebegehäusen und Sitzbezügen einstellte und die Produktion bei den Wolfsburgern teilweise lahmlegte.

Nun hat sich die bosnische Unternehmerfamilie Hastor, zu der Prevent gehört, ein neues Ziel gesucht: Sie will den bayerischen Zulieferer Grammer unter ihre Kontrolle bringen. Das lässt die Alarmglocken in der Branche schrillen. Denn alle großen Autobauer, darunter VW, BMW und Daimler, beziehen ihre Kopfstützen von Grammer. Die Amberger Firma stemmt sich mit aller Kraft gegen die Übernahme. Auf der Hauptversammlung am Mittwoch kommt es zum Showdown. „Dass das kein Kaffeekränzchen wird, ist doch klar“, sagte Franz Enderle, Anwalt von Hastor.

Der Machtkampf zwischen Prevent und VW, der erst nach wochenlangen Verhandlungen beigelegt werden konnte, gilt in der Branche als Mahnung. „Die Automobilindustrie will auf jeden Fall verhindern, dass sich so etwas wiederholt“, sagt Autoprofessor Stefan Brazel, der das Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach leitet. VW sagte damals zu, mindestens sechs Jahre weiter mit Prevent zusammenzuarbeiten, um das Kriegsbeil zu begraben. Im Gegenzug durften die Wolfsburger sich einen weiteren Lieferanten für Getriebe-Gussteile suchen.

Was genau die Hastor-Gruppe mit Grammer vorhat, liegt im Dunkeln. Ihre Vertreter äußern sich nur selten öffentlich. Die Bosnier hielten zuletzt über die Investmentfirmen Cascade und Halog mehr als 20 Prozent an dem Hersteller von Kopfstützen, Armlehnen und Mittelkonsolen. Ziel sei, die Profitabilität zu steigern, sagte ein Insider des weit verzweigten Firmenimperiums der Nachrichtenagentur Reuters. „Bei der Rendite von Grammer hapert es.“

Zuletzt erwirtschaftete die Firma eine operative Marge von 4,9 Prozent. Damit rangiert Grammer nach Ansicht von Prevent hinter vergleichbaren Unternehmen.

Die Bayern selbst halten dagegen, die vergleichbare Konkurrenz komme im Schnitt lediglich auf 4,7 Prozent. Der Prevent-Insider verwies etwa auf den Zulieferer Dräxlmaier, der Renditen um die sieben Prozent erziele. Das Unternehmen aus Vilsbiburg selbst macht dazu keine Angaben. Grammer peilt eine Marge in dieser Höhe bis 2021 an. Zum Vergleich: Der Dax-Konzern Continental erzielt mehr als zehn Prozent Rendite.

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