Siemens
Kaeser bekennt sich zu Mexiko

Siemens-Chef Joe Kaeser ist persönlich nach Mexiko gereist, um ein Abkommen über künftige gemeinsame Projekte zu unterzeichnen. Es ist ein Bekenntnis zu einem Land, das wegen der Trump-Politik derzeit unter Druck steht.
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Mexiko CityEs ist ein wichtiger Kunde, und so ist Joe Kaeser selbst angereist. Zur Unterzeichnung eines Abkommens mit der mexikanischen Regierung kam der Siemens-Chef am Dienstag nach Mexiko. Es war auch ein Bekenntnis zu dem Nachbarland der USA, das unter Druck steht, seit Donald Trump US-Präsident ist. Er bekräftige das Bekenntnis von Siemens zu Mexiko, sagte Kaeser. Das Land sei nicht allein. „In herausfordernden Zeiten ist es immer gut, Freunde zu haben, die an Deiner Seite stehen, wenn es darauf ankommt.“

Kaeser und der mexikanische Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo unterzeichneten vor mehreren hundert Mitarbeitern, Kunden und Gästen eine Absichtserklärung. Gemeinsam wolle man Projekte entwickeln, wie die Infrastruktur und die Schlüsselindustrien des Landes verbessert werden können. Diese könnten ein Volumen von bis zu 36 Milliarden Dollar in den nächsten zehn Jahren haben, heißt es. Ob diese alle realisiert werden und wie hoch am Ende der Siemens-Anteil ist, ist offen. Doch ist klar, dass Siemens in Mexiko eine starke Rolle spielen will. Kaeser kündigte „als einen Start“ Investitionen von 200 Millionen Dollar und die Schaffung von 1000 Arbeitsplätzen in den nächsten zehn Jahren an.

Für Siemens ist Mexiko immerhin der fünftwichtigste Wachstumsmarkt. In den vergangenen beiden Geschäftsjahren legten der Auftragseingang um 41 und 32 Prozent auf etwa 1,5 Milliarden Euro zu. Vor allem im Energiesektor machen die Münchener mit Fördertechnik für die Öl- und Gasanlagen, aber auch mit Netztechnik und Erneuerbaren Energien gute Geschäfte. Die Sparte Digitale Fabrik profitiert davon, dass viele Industrieunternehmen wie zum Beispiel fast alle Autobauer in Mexiko produzieren.

Genau dies ist Trump ein Dorn im Auge. Er hatte Unternehmen, die billig in Mexiko fertigen und von dort in die USA exportieren, mit hohen Einfuhrzöllen gedroht. Siemens ist davon weniger betroffen: Zum einen haben die Münchener deutlich über 50.000 Mitarbeiter und mehr als 60 Fabriken in den USA. Sie verstehen sich als amerikanisches Unternehmen. Zudem fertigen sie in Mexiko primär für den dortigen Markt und liefern mehr Produkte aus den USA nach Mexiko, denn umgekehrt.

Dennoch hatte der lange vereinbarte Besuch durch die aktuelle Entwicklung eine besondere Bedeutung bekommen. Kaeser und Wirtschaftsminister Guajardo bekannten sich zu gemeinsamen Werten wie Nachhaltigkeit, Toleranz und Freihandel. In schwierigen Zeiten sei es besonders wichtig, zu seinen Prinzipien zu stehen, sagte der Minister.

Zu den Hauptkunden von Siemens in Mexiko zählten schon bislang der staatliche Stromversorger Comision Federal de Electricidad (CFE) und der ebenfalls staatliche Ölkonzern Pemex. So kommt zum Beispiel im Ölförderfeld Cantarell im Golf von Mexiko auf hoher See Siemens-Turbinen- und Kompressorentechnik zum Einsatz. Im vergangenen Jahr gab es einen attraktiven Auftrag. Die Öl- und Gassparte kann solche Geschäfte gut gebrauchen, schließlich leidet sie wegen der niedrigen Ölpreise ebenso wie die Konkurrenz zum Beispiel von General Electric unter der schwachen Investitionsbereitschaft bei den Förderern.

In Mexiko wusste man die Geste von Siemens zu diesem Zeitpunkt zu schätzen. Während viele andere Konzernchefs in den vergangenen Wochen Trump ihre Aufwartung machten, hielt sich Kaeser an den Termin und flog als erstes nach Mexiko. „Wir sind sehr dankbar für den Besuch in diesen Zeiten“, sagte der Wirtschaftsminister. Die Kaeser-Visite sei eine kraftvolle Botschaft.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

Kommentare zu " Siemens: Kaeser bekennt sich zu Mexiko"

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  • Siemens macht Geschäfte in Mexiko. Auch US Firmen machen weiterhin Geschäfte in Mexiko und weltweit. Trump will nur die US Grenzen kontrolliern und hier vor allen den Import auf die Finger schauen. Trump schützt damit seine Volkswirtschaft (Arbeistplätze) vor billigen Import.

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