Siemens
Luxusproblem -0,4

Die Siemens AG hat ein klares Signal an die Kapitalmärkte gegeben: Die Münchener meinen das Ziel, den Unternehmenswert zu steigern, wirklich ernst. Zu kämpfen hat Siemens derzeit allerdings noch mit einem Luxusproblem.

MÜNCHEN. „Erstmalig in der Geschichte unseres Hauses haben wir eine Zielgröße definiert zur Optimierung der Kapitalstruktur. Diese wird ausgedrückt durch das Verhältnis zwischen bereinigter, industrieller Nettoverschuldung und unserem Ebitda und soll bis 2010 in der Bandbreite von 0,8 bis 1,0 liegen“. Es ist mutig, mit derart hartem Tobak eine Bilanz-Pressekonferenz zu beginnen. Es ist noch mutiger, wenn dies die Jahresbilanz der Siemens AG ist. Und es grenzt an Übermut, diese beiden Sätze zum Auftakt seiner ersten Jahresbilanz als Siemens-Chef zu sagen. Genau das hat Peter Löscher zur Verwunderung seines Publikums vor einer Woche getan.

Er hat natürlich seine Gründe dafür gehabt. Denn in all dem Trubel um die 1,3 Milliarden Euro dubioser Zahlungen ist beinahe untergegangen, dass die Siemens AG mit ihrer neuen Zielgröße ein ökonomisches Zeichen gesetzt hat. Erstens erfüllt sie eine der wichtigsten Vorgaben ihres Konzernprogramms, zweitens passt sie sich internationalen Standards an und verabschiedet sich von ihrer Sonderrolle im Konzert der Weltkonzerne, drittens gibt sie mit alle dem ein klares Signal an die Kapitalmärkte, dass sie das Ziel, den Unternehmenswert zu steigern, wirklich ernst meint.

Worum geht es? Dass es teurer ist, Wachstum mit Eigen- denn mit Fremdkapital zu finanzieren, hat sich ja schon herumgesprochen. Siemens aber widersetzte sich dem Trend, Jahrzehnte lang galt der Traditionskonzern als "Bank mit angeschlossener Elektroabteilung“. Intern hat die hohe Eigenkapitalausstattung der Münchener tatsächlich lange Zeit als Ausweis der Stärke herhalten müssen, Ende der 90er Jahren aber verkehrte sich die Situation. Die Konzernführung witterte die Gefahr, angesichts eines hochkomplexen Aufbaus, eines schwachen Aktienkurses bei hoher Eigenkapitalausstattung in den Sucher von Firmenkäufern zu geraten. Siemens als geradezu ideales Ziel für Filetierer und Ausschlachter.

Dennoch geschah lange Zeit wenig, noch 2004 hatte Siemens netto eine Cash-Position in der Bilanz. Es war der Vorgänger Peter Löschers, Klaus Kleinfeld, der daraus die Konsequenzen zog und dem Management noch vor seinem Abtritt im April 2007 das Ziel setzte, eine neue Kapitalstruktur zu definieren. Das ist nun geschehen, mit der sperrigen Zielgröße 0,8 bis 1 stellt Löscher einen Zielkorridor auf, der die Steuerungsgrößen Profitabilität, Cash-Flow und Wachstum abrundet und Siemens für die Märkte schmücken soll.

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