Siemens
Mit Rückenwind aus Washington

Selten war ein deutsches Unternehmen in den USA so präsent wie Siemens. Der Chef der US-Gesellschaft pflegt beste Beziehungen ins Weiße Haus. Als Arbeitgeber und Exporteur genießt der Konzern hohes Ansehen.
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New YorkZwei Dinge fallen einem in dem Büro von Eric Spiegel auf. Zuerst bemerkt man die Aussicht. Das Capitol steht gleich nebenan, der US-Chef von Siemens kann den amerikanischen Senatoren fast auf den Schreibtisch gucken.

Auf der Dachterrasse ist der Ausblick noch eindrucksvoller. Dort oben feierte Siemens vor wenigen Monaten die Einweihung seines US-Konzernsitzes in Washington DC. Die aus Deutschland und Amerika angereisten Vorstände konnten bei Wein und gutem Essen das National Monument aus nächster Nähe betrachten. Nur das Weiße Haus war hinter den Hochhäusern nicht zu sehen, obwohl es in der Nähe liegt.

Was einem noch in Spiegels Büro auffällt. Ein Namensschild fehlt ebenso wie persönliche Dinge. Sein Büro wird auch als Konferenzraum genutzt. Die Botschaften sind nicht zu übersehen. Erstens: Wir liegen im Zentrum der politischen Macht. Zweitens: Wir arbeiten zusammen.

Das sind hohe Ansprüche, denen Siemens in den USA inzwischen gerecht wird. Nicht aus Zufall besucht heute der US-Verkehrsminister Ray Lahood die Siemens-Lokomotiven-Fabrik im kalifornischen Sacramento. Präsident Barack Obama erwähnte vor kurzem Siemens in seiner Ansprache zur Lage der Nation. Man stelle sich vor, Angela Merkel würde in der Neujahrsansprache die Werke von General Electric in Deutschland loben.

Siemens ist seit fast hundert Jahren in den USA vertreten. Aber noch vor kurzem verwechselten Amerikaner den Mischkonzern mit der früheren Möbelkette Seaman’s Furniture – beide Namen spricht man in den USA ähnlich aus. Doch Siemens holt den Rückstand gegenüber seinem Erzrivalen General Electric auf, stellt Lobbyisten ein und gründete im Herbst mit „Siemens Government Technologies“ eine Firma, die sich nur um das Geschäft mit dem Bund kümmert. Deren Umsatz von rund einer Milliarde Dollar soll sich in drei Jahren verdoppeln. „Geschäft und Politik gehen Hand in Hand“, sagt Hans Decker, Professor an der Columbia University in New York. „Siemens ist in den USA ein Faktor geworden.“

Hinter dem Erfolg steckt auch Chefjustiziar Peter Solmssen. Vorstandschef Peter Löscher holte ihn als ersten Amerikaner 2007 in den Vorstand von Siemens. Er hatte zuvor neun Jahre für General Electric gearbeitet. Solmssen verlegte 2010 den US-Sitz des Konzerns von New York nach Washington und heuerte Spiegel an, der von der Wirtschaftsberatung Booz Allen Hamilton in Washington kam. Eine bei Siemens kontroverse Entscheidung: Bislang kamen Eigengewächse auf den wichtigen Posten. So leitete Klaus Kleinfeld einst die US-Geschäfte und wurde dann Konzernchef.

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Das Pentagon lässt Siemens für sich produzieren

Kommentare zu " Siemens: Mit Rückenwind aus Washington"

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  • Hohes Ansehen?Aber nicht bei Leiharbeitern die bei diesen
    Knausern arbeiten?

  • „Siemens ist ja in diesen Tagen überall“.

    Siemens ist schon lange kein Deutsches unternehmen mehr , nur ein sehr kleiner teil seiner Geschäfte mach das Unternehmen in Deutschland .
    Geschäfte die weder Profitabel noch wirtschaftlich sind , Verdienen kann das Unternehmen nur Außerhalb Deutschlands , dort werden die Defizite die in Deutschland gemacht werden ausgeglichen .

    Siemens, einst ein Deutsches Technologie-Vorzeigeunternehmen verkommt in Deutschland zum Windmühlen Hersteller .

  • Prima. Der Konzern mit den schwarzen Kassen als Nachbar der Politik.

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