Siemens
Peter Löscher – Absturz eines Hoffnungsträgers

Tiefer Fall nach hoffnungsvollem Start: Peter Löscher muss nach sechs Jahren als Siemens-Chef seinen Hut nehmen. Hinter ihm liegen eine Berg- und Talfahrt – und eine ganze Serie von Rückschlägen.
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MünchenDer geschasste Siemens-Chef Peter Löscher hat in seinen sechs Jahren bei dem Elektrokonzern einen beispiellosen Niedergang erlebt. Einst wurde der Österreicher als Hoffnungsträger mit offenen Armen bei Deutschlands größtem Elektrokonzern empfangen, doch vor allem in den vergangenen Monaten kamen die Rückschläge in Serie. Nun ziehen die Aufsichtsräte die Reißleine und geben Löscher den Laufpass. Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser soll das Unternehmen jetzt wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen. Er hat eine Mehrheit im Aufsichtsrat hinter sich, muss aber formell am kommenden Mittwoch (31. Juli) noch zum neuen Chef bestimmt werden.

Krisen musste der 1,95-Meter-Mann Löscher bei Siemens während seiner Amtszeit durchaus meistern und konnte dabei auch Erfolge verbuchen. Allen voran die Bewältigung des milliardenschweren Schmiergeld-Skandals, der Siemens vor die Zerreißprobe gestellt hatte. Doch in anderen Dingen blieb Löscher glücklos: Akquisitionen wie die Übernahme des US-Medizintechnik-Unternehmens Dade Behring oder des israelischen Solarunternehmens Solel erwiesen sich als teure Fehlgriffe. Hinzu kam zuletzt mangelnder Rückwind durch die Konjunktur, mit der Konkurrenten wie General Electric allerdings derzeit besser fertig zu werden scheinen. Doch das Fass zum Überlaufen brachte am Donnerstag die x-te Gewinnwarnung von Siemens während Löschers Amtszeit.

Aber auch atmosphärisch hatte Löscher zu kämpfen: Sein vielzitierter Satz „Ich reihe mich heute in die Reihe von 475 000 Siemensianern ein“, den er zu seiner Berufung im Mai 2007 symbolträchtig auf dem Wittelsbacher Platz zu Protokoll gab, blieb nur ein frommer Wunsch. Im Gegenteil: Zuletzt geriet der Fußball-Fan immer mehr an den Rand des Spielfeldes, jüngst zu besichtigen bei der Grundsteinlegung für die neue Siemens-Konzernzentrale: Nach dem offiziellen Festakt war es wieder einmal Kaeser, und nicht Löscher, der von Journalisten umringt und mit Fragen bestürmt wurde. Kaeser beschrieb die Lage des Konzerns vieldeutig als „Blechschaden“ - doch für Löscher ist sie nun zum Totalschaden geworden.

Auch die Beschäftigten hatte Löscher nicht mehr hinter sich. Noch vor einem Jahr bekam er Lob von Siemens-Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler für seine konstruktive Art, Konflikte anzugehen. Doch mittlerweile sprach der Arbeitnehmervertreter von Angstkultur und von „kurzsichtiger Portfolio-Politik“.

Löscher, Sohn eines Sägewerksbesitzers aus Kärnten, hatte in Wien, Hongkong und Harvard Betriebswirtschaft studiert und in der Pharmaindustrie Karriere gemacht: Bei Hoechst in den USA, bei Aventis in Japan, in der Medizinsparte des Siemens-Konkurrenten General Electric und zuletzt als Vorstand beim US-Konzern Merck. Unbelastet und welterfahren, galt er einst als der richtige Mann, um Siemens wieder auf Kurs zu bringen und das Vertrauen der wichtigen US-Investoren zurückzugewinnen. Doch im Laufe der Zeit mehrten sich Stimmen, dass Löscher überfordert wirke und im Unternehmen nie richtig angekommen sei.

Er selbst wies das bis zum Schluss weit von sich und gab sich noch am Tag vor seinem Rauswurf kämpferisch: „Mir bläst jetzt der Wind ins Gesicht, aber es war noch nie meine Art, aufzugeben oder schnell die Segel zu streichen“, sagte Löscher in seinem letzten Interview als Siemens-Chef und nannte Gerüchte über Streit im Vorstand ein „Märchen“. Nach dem tiefen Fall wird die Landung trotzdem nicht allzu hart ausfallen: Weil Löschers Vertrag eigentlich noch bis 2017 gelaufen wäre, winkt ihm eine hohe Abfindung. Auf rund neun Millionen Euro dürften sich die Zahlungen laut Zusagen im Geschäftsbericht summieren.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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