Sinochem
China verstärkt sich in der Agrochemie

China will den Einfluss auf die globale Agrochemieindustrie ausweiten. Der Staatskonzern Sinochem plant dazu den Kauf des australischen Pflanzenschutzherstellers Nufarm und will so den Zugang zu den Weltmärkten verbessern.

bef/urw/HB PEKING/CANBERRA. Der staatliche chinesische Chemiekonzern Sinochem legte am Montag ein Angebot über 2,6 Mrd. Australische Dollar (1,7 Mrd. Euro) für den australischen Pflanzenschutzspezialisten Nufarm vor. Das Geschäft ist noch von der Genehmigung der australischen Behörde für Auslandsinvestitionen FIRB abhängig, die in diesem Jahr bereits zwei Deals mit China im Bergbau hat platzen lassen.

Nufarm bezeichnet sich selbst als weltweit neuntgrößten Pflanzenschutzmittelhersteller. Das Unternehmen beliefert mit Pestiziden und Herbiziden schwerpunktmäßig australische Farmer, ist aber auch auf allen anderen großen Landwirtschaftsmärkten der Welt präsent. Nufarm erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr (zum 30. Juli) mit 2 600 Mitarbeitern einen Umsatz von umgerechnet 1,6 Mrd. Euro und einen Gewinn von 47 Mio. Euro. Sinochem ist bereit, 13 Australische Dollar je Aktie zu bezahlen. Das entspricht einem Aufschlag von 17 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag.

Sinochem ist vor allem an Nufarms Vertriebsnetz in Europa sowie Nord- und Südamerika interessiert. In diesen Regionen beläuft sich der Marktanteil nach Angaben des Unternehmens in auf vier bis acht Prozent. "Ein erfolgreicher Kauf von Nufarm würde Sinochem eine erhebliche Präsenz in diesen Märkten eröffnen", sagte Tim Schroeders, Fondsmanager bei Pengana Capital, in Melbourne gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Das Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln ist prinzipiell aussichtsreich, da die vorhandenen Agrarflächen angesichts der stark wachsenden Weltbevölkerung immer produktiver genutzt werden müssen. Einer Prognose der Uno zufolge bedarf es einer Verdoppelung der Nahrungsmittelproduktion bis zur Mitte des Jahrhunderts, um die Weltbevölkerung zu ernähren.

Das langfristige reale Marktwachstum schätzen Experten auf ein bis zwei Prozent jährlich - sie warnen vor zu viel Euphorie auf den Agrochemiemärkten. Zuletzt investierten die Kunden, also die Farmer, vorsichtiger in Pflanzenschutz, da sie Einkommenseinbußen zu verzeichnen hatten. Aus diesem Grund geben auch die deutschen Schwergewichte in der Branche, BASF und Bayer Crop Science derzeit nur vorsichtige Wachstumsprognosen. Zudem ist in Teilen des Marktes der Preisdruck mittlerweile hoch, was auch an der stärkeren Präsenz chinesischer Anbieter liegt.

Die 1950 gegründete Sinochem ist Chinas größter Landwirtschaftskonzern. Neben dem Verkauf von Düngemitteln und Pflanzenschutzprodukten vertreibt Sinochem auch Saatgut. Im Ölhandel belegt Sinochem unter Chinas Konzernen den vierten Rang, bei Dienstleistungen im Chemikaliengeschäft steht das Unternehmen an erster Stelle in China.

Gemäß Angaben aus dem Jahresbericht 2008 erzielte Sinochem eine Gewinnsteigerung um sechs Prozent auf 6,45 Mrd. Yuan (646 Mio. Euro) bei einem Umsatzsprung von 36 Prozent auf 308,9 Mrd. Yuan. Es ist bereits das zweite Mal in zwei Jahren, dass die Chinesen versuchen, Nufarm zu schlucken. 2007 hatte die staatliche China National Chemical Corp. mit Unterstützung der Buyout-Gesellschaft Blackstone versucht, Nufarm für drei Mrd. australische Dollar zu übernehmen. Die Gespräche wurden im Dezember 2007 ergebnislos abgebrochen.

Der Preisdruck in der Agrochemie zeigte sich zuletzt vor allem bei Glyphosat, einem seit langem patentfreien Herbizid, das vor allem in Verbindung mit genmodifizierten Saaten eingesetzt wird. Nufarm musste infolge des Preisverfalls seine Lagerbestände an Glyphosat deutlich abschreiben. Dies führte zusammen mit Restrukturierungskosten dazu, dass der Jahresgewinn um 42,1 Prozent einbrach. Nufarm plant nun die Einführung neue Produkte, die eine höhere Gewinnspanne versprechen. Dazu gehören spezielle Insektenvernichtungsmitteln, Fungizide und Stoffen zur Behandlung von Pflanzensamen.

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