Skoda
Vom Ostauto zur globalen Marke

Viele Inder, Chinesen und Russen, aber auch Deutsche fahren heute einen Skoda. 25 Jahre nach dem Einstieg des Wolfsburger Konzerns bei den Tschechen ist der Skoda der eigentliche Volkswagen, meint ein Experte.

PragAls Volkswagen vor 25 Jahren beim Autobauer Skoda einstieg, ahnte kaum jemand, was für ein Erfolg sich innerhalb weniger Jahre einstellen würde. Autos aus dem ehemaligen Ostblock galten als unzuverlässige Rostlauben. Die tschechoslowakische Staatsfirma schrieb Anfang der 1990er-Jahre Verluste und stellte weniger als 200.000 Kompaktwagen des Modells „Favorit“ im Jahr her. Ein Manager einer großen amerikanischen Automarke sagte angesichts der damals 21.000 Beschäftigten nur trocken: „Das machen wir mit 4000 Leuten.“

Die Unkenrufer sollten nicht recht behalten. Heute produziert die Marke mit dem geflügelten Pfeil mehr als eine Million Fahrzeuge im Jahr. Auch die Zeiten, in denen Volkswagen Skoda als Einsteigermarke etablieren wollte, sind längst passé. Skoda zeige die gleiche Wertigkeit wie Ford, Opel und sogar die Konzernmarke VW, sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center der Uni Duisburg-Essen. Und fügt hinzu: „Man könnte sagen, die Tochter Skoda frisst ihre Mutter.“

Doch beinahe wäre Skoda am 16. April 1991 nicht zu 31 Prozent deutsch, sondern französisch geworden. Renault hätte in Mlada Boleslav gerne von den niedrigen Löhnen profitiert und einen Kleinwagen gebaut, den späteren Twingo. Französische Minister und Präsident François Mitterrand gaben sich in Prag die Klinke in die Hand. Die Tschechoslowakei galt als Tor zum vielversprechenden mittel- und osteuropäischen Automarkt.

Gegen Renault sprach, dass Skoda als eigenständige Marke untergegangen wäre, sagte der damalige Ministerpräsident des tschechischen Teilstaats, Petr Pithart, einmal im dpa-Gespräch. Angesichts antideutscher Ressentiments war der Zuschlag für VW für den Christdemokraten eine gewagte Entscheidung: „Es war politischer Selbstmord“, sagte Pithart unverblümt.

Heute ist das kaum mehr vorstellbar. Skoda ist zu einer globalen Marke geworden. Größter Absatzmarkt ist nicht mehr Tschechien, sondern das bevölkerungsreiche China. Als der chinesische Staatspräsident Xi Jinping Ende März Prag besuchte - sein einziger Zwischenstopp auf dem Weg in die USA - wurden wichtige Verträge unterschrieben. Gemeinsam mit dem staatlichen Autohersteller SAIC will Skoda in den nächsten fünf Jahren rund zwei Milliarden Euro unter anderem in die Ausweitung der Modellpalette investieren.

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„Der eigentliche Volkswagen ist der Skoda“

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