Söhne des Gründers teilen sich künftig das größte Privatunternehmen des Subkontinents
Indiens Reliance-Gruppe wird zerlegt

Indiens größtes Privatunternehmen, Reliance Industries Ltd. (RIL), wird aufgespalten. Nach einem erbitterten Bruderstreit wird der Konzern, dessen Umsatz drei Prozent des indischen Bruttoinlandsproduktes entspricht, unter den Söhnen des Firmengründers Dhirubhai Ambani aufgeteilt. Das teilte das Unternehmen am Wochenende mit. Der Familienzwist hatte monatelang die Zukunft des am schnellsten wachsenden Konzerns Indiens überschattet.

HB DELHI. Das Herzstück des Imperiums mit 23 Mrd. Dollar Umsatz fällt erwartungsgemäß an den ältesten Sohn Mukesh. Der 48-Jährige bleibt RIL-Chairman und kontrolliert das traditionelle Kerngeschäft: Petrochemie, Öl- und Gasförderung, Raffinerien und Tankstellen sowie Textilien. Mukesh fällt damit auch die deutsche Trevira AG zu, die Reliance im Vorjahr übernahm. Seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Anil werden die auf Endkunden fokussierten neuen Geschäftsfelder des Konzerns zugeschlagen. Diese werden voraussichtlich in eine separate Holding unter seinem Vorsitz ausgelagert. An Anil fallen Indiens größter privater Stromversorger Reliance Energy, der Finanzdienstleister Reliance Capital und die Telekommunikationssparte Reliance Infocomm, einer der führenden und vor allem der schnellsten wachsende Mobilfunkanbieter des Landes.

Mukesh und Anil versprechen, sich fünf Jahre lang keine Konkurrenz zu machen. Im Energiegeschäft könnte die Teilung allerdings Synergien zwischen Gasförderung und -verstromung gefährden. Aber die meisten Analysten beurteilen die Spaltung des Konglomerats in zwei komplementäre, klarer fokussierte Teile positiv und erwarten, dass deren Wert dadurch steigt. „Nachdem sie lange mit dem Disput beschäftigt waren, können sich die Brüder und das Management nun wieder auf Expansion konzentrieren“, meint der indische Anleger-Papst Rakesh Jhunjhunwala, „das wird der Aktie helfen.“

Alle Sparten verfolgen ambitionierte Investitionspläne, die sie nun ungehindert vorantreiben können. So plant Reliance Energy den Bau des größten Kohlekraftwerks der Welt für elf Mrd. Dollar und hat den Grundstein gelegt für ein mehr als zwei Mrd. Dollar teures Gaskraftwerk. Infocomm hat einen aggressiven Vormarsch in Kleinstädte begonnen, in denen es noch keinen Mobilfunk gibt. Das Konzernflaggschiff RIL will Umsatz und Gewinn jährlich um 20 Prozent steigern. Es bietet um Öl- und Gasförderrechte im Ausland mit und investiert kräftig in den Ausbau seiner Petrochemie-Kapazitäten.

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