Solar Millennium
Böhm zum Insolvenzverwalter bestellt

Auf die Pleite folgt der Insolvenzverwalter. Im Fall von Solar Millennium heißt der Volker Böhm. Böhm hatte 2009 den Porzellanhersteller Rosenthal erfolgreich verwaltet und verkauft.
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Nürnberg/ErlangenDas Amtsgericht Fürth hat den Rechtsanwalt Volker Böhm zum Insolvenzverwalter für das Solarunternehmen Solar Millennium bestellt. Das teilte Böhms Kanzlei Schultze & Braun am Mittwochabend mit.

Böhm habe sich unmittelbar zum Hauptsitz des Unternehmens in Erlangen begeben und mache sich derzeit ein Bild von der Lage. Solar Millennium hatte am Mittwoch mitgeteilt, sie habe Antrag auf Gläubigerschutz gestellt. Grund seien Verzögerungen bei Verhandlungen über den Verkauf von Projekten in den USA und Spanien. Solar Millennium produziert Technik für sogenannte solarthermische Kraftwerke.

Der DGB hat unterdessen dem Unternehmen Managementfehler vorgeworfen. „Die Geschäftspolitik ist nicht so ganz durchsichtig und glücklich gewesen“, sagte der Vorsitzende des DGB Mittelfranken, Stephan Doll, am Donnerstag der Nachrichtenagentur dapd. Auch seien „obskure Verträge“ mit Managern vereinbart worden, erklärte Doll und verwies auf die Millionenzahlungen an Kurzzeit-Vorstandschef Utz Claassen, über die derzeit
vor dem Nürnberger Landgericht gestritten wird. Das Aus für Solar Millennium wäre ein „herber Verlust“ für den Bereich Energiepolitik der Region. „Es geht um mehr als die rund 100 Arbeitsplätze“, sagte Doll.

Der Insolvenzverwalter werde nun zunächst prüfen, ob eine Fortführung des Geschäftsbetriebs möglich sei, teilte Böhms Anwaltskanzlei mit. Sei dies der Fall, dann werde er sich um die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes bemühen, um den Beschäftigten der Firma pünktlich Lohn und Gehalt zahlen zu können. Zudem werde er Kontakt zu den wichtigsten Projekt- und Geschäftspartnern des Unternehmens aufnehmen.

Böhm ist ein erfahrener Insolvenzanwalt. Er war auch zuständig für den bayerischen Porzellanhersteller Rosenthal, den er 2009 an den italienischen Besteck- und Kochtopfhersteller Sambonet verkaufte. Sambonet übernahm damals sämtliche verbliebene 1.200 Mitarbeiter und alle Werke von Rosenthal.

Die bereits in Bau befindlichen Kraftwerke sollen möglichst fertiggestellt werden. Der vorläufige Insolvenzverwalter werde dazu „alle bestehenden Möglichkeiten ausschöpfen“, schrieb die zuständige Kanzlei Schultze & Braun auf der Internetseite des Unternehmens. Bei den anderen Projekten müsse man je nach Planungsstadium prüfen, welche Optionen es gebe.

Derzeit seien alle Mitarbeiter der Solar Millennium AG ungekündigt und arbeiteten weiter. Bei der Konzernmutter sind nach Unternehmensangaben vom Donnerstag aktuell 60 Menschen beschäftigt. Zusammen mit den zunächst nicht vom Insolvenzantrag betroffenen Tochtergesellschaften haben die Erlanger weltweit etwa 300 Mitarbeiter, den größten Teil davon in Deutschland.

Es dürfte noch dauern, bis erste Ergebnisse der Prüfung vorliegen. „Der Verwalter braucht jetzt ein, zwei Wochen Zeit, um sich ein Bild machen zu können, weil das alles sehr komplex ist“, sagte sein Sprecher einen Tag nach dem Antrag wegen Zahlungsunfähigkeit. Im Gegensatz zu anderen Insolvenzen, wo es einen laufenden Geschäftsbetrieb sowie funktionierende Marktbeziehungen gibt und der Liquiditätsengpass nur etwa auf einem geplatzten Kredit beruht, ist die Lage bei Solar Millennium offenbar sehr undurchsichtig.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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