Solarbranche
Nur die Giganten dürfen sich sonnen

Die einst erfolgsverwöhnte Solarindustrie übt sich heute in Preisdrückerei. Unternehmen wie Q-Cells und Solon sind erste Opfer des brutalen Wettbewerbs. Jetzt haben nur noch die Großen eine Chance.
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DüsseldorfNiedliche kleine Roboter flitzen durch den Raum, die Waschmaschine läuft friedlich – alles betrieben mit Solarenergie. „Machen auch Sie ihre persönliche Energiewende“, sagt der Sprecher im Werbespot von Solarworld.

Dem Aufruf folgen zwar immer mehr deutsche Kunden. Doch sie kaufen immer weniger deutsche Module. Der Anteil deutscher Firmen am Gesamtmarkt von 7,5 Gigawatt lag im vergangenen Jahr gerade noch bei 20 Prozent, hat das Zentrum für Solarmarktforschung in Berlin ausgerechnet. Der Anteil chinesischer Unternehmen lag demnach bei 54 Prozent.

Das liegt vor allem an den Niedrigpreisen, mit denen chinesische Hersteller in den Markt drängen. Chinesische Module konnten Monteure und Händler im Februar schon für 0,77 Euro pro Watt im Großhandel kaufen, hat das Internetportal Solarserver ausgerechnet. Module aus deutscher Produktion kosteten 1,03 Euro pro Watt. Alleine im vergangenen Jahr sind die Preise für Solarmodule um 30 bis 40 Prozent gefallen.

Dafür sind vor allem zwei Faktoren maßgeblich: Die sinkende Solarförderung und die weltweiten Überkapazitäten. Alleine bei Solarzellen, einem Vorprodukt für Solarmodule, erhöhten sich die Produktionszahlen nach Angaben des Solarstrom-Magazins „Photon“ von 4,3 Gigawatt im Jahr 2007 auf 37,1 Gigawatt im vergangenen Jahr. Die Produktionskapazitäten lagen Ende 2011 bei 57,9 Gigawatt.

Gleichzeitig kürzte Deutschland seine Förderung für Solarstrom deutlich. Denn für jede Kilowattstunde, die deutsche Solaranlagenbetreiber ins Netz einspeisen, erhalten sie einen festen Betrag. Wenn der sinkt, sinkt auch die Rendite einer Solarstromanlage. Um das auszugleichen, mussten die Hersteller ihre Modulpreise kürzen. Viele Firmen konnten ihre Kosten nicht anpassen und stürzten in die roten Zahlen.

Sprung an die Weltspitze

Solarzellenherstellung nach Ländern und Regionen

Produktion weltweit in %

Am schlimmsten erwischte es den Solarmodulhersteller Solon aus Berlin und den einst weltweit größten Solarzellenhersteller Q–Cells aus Bitterfeld-Wolfen. Beide haben Insolvenz angemeldet. Q-Cells hat in seinen erfolgreichen Zeiten bis 2008 seine Kostenstruktur vernachlässigt. Die Finanzkrise brachte das Unternehmen ins Strudeln. Vorstandschef Nedim Cen, der als Sanierer kam, ergänzte die Zellen- durch eine eigene Modulproduktion und investierte in die Marke. Doch das reichte nicht. Jetzt versucht er in der Insolvenz, das Unternehmen oder Teile zu retten.

Cen und die 2200 Mitarbeiter hoffen darauf, dass sie wie Solon einen Retter finden. Dort übernahm Microsol aus den Vereinigten Arabischen Emiraten große Teile des Unternehmens in der Insolvenz. „Ich unterstütze ausdrücklich die Restrukturierungsbemühungen des Unternehmens“, betonte gestern der zuständige Insolvenzverwalter Henning Schorisch.

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Chinesischer Konzern kauft sich in deutschen Markt ein

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  • ...nun ja, der gedankliche Ansatz ist sicherlich nicht vollständig (betriebswirtschaftlich betrachtet), aber ganz so abwegig ist es nun dann doch nicht... ...betrachtet man z.B. heute die Unternehmen, die in die Insolvenz schlittern, so scheitern doch manche Konzepte gerade an der Beteiligung der Gläubiger... ...und das sind i.d.R. die, die diesen Unternehmen seinerzeit deren Anleihen abgenommen haben. Was nutzt es dann, wenn Herr Asbeck von ausreichender Liquidität spricht und er bis zum Fälligkeitstermin der Anleihen mit seinem Unternehmen kein Geld mehr verdient? Glauben Sie etwa, daß z.B. unsere Euro-Südländer jemals ihre Schulden zurückzahlen können? Vielleicht sogar Deutschland mit seinen aktuell ca. 2,1 Bio€ Staatsverschuldung, auch wenn es sich hierbei im eigentlichen Sinn nicht um ein "Unternehmen" handelt?

  • Ich erinnere mich noch an die "gute alte Zeit" in den Jahren 2006 und 2007.

    Die Solarworld-Aktie stieg von 2 EUR im Jahr 2004 auf weit über 130 EUR im Jahr 2007 (vor Aktiensplit). Nahezu jede Woche gab es ein IPO einer Firma mit "Solar", "Photovoltaik" oder "Energy" im Namen. Man fühlte sich zurückversetzt in die glorreiche Zeit des "Neuen Markts".

    Goldgräberstimmung. Man war führend bei neuen Energietechnologien und diese sollten Millionen von neuen Arbeitsplätzen für dt. Arbeitnehmer bringen. Das diese neue Industrie nur von Subventionen des Staates überleben konnte interessierte doch damals keinen.

    Mittlerweile sind neue Akteure auf diesem äußerst lukrativen Markt (wer will es ihnen verdenken - schließlich gibt es gutes Geld zu verdienen). Die aktuelle Situation haben sich unsere deutschen Solarunternehmen zum allergrößten Teil selbst zuzuschreiben, zu lange wurde auf weiter sprudelnde Subventionsquellen gesetzt, zu lange an rein deutschen Standorten geklammert, Größeneffekte konnten aufgrund der oftmals zu kleinen Unternehmen nicht ausgenutzt werden.

    Aus meiner Sicht wird das Sterben noch eine ganze Zeit lang weitergehen. Leider!

  • @Energyworld3

    Ihre Argumentation ist schlicht und ergreifend dumm.

    Zum Vergleich: Die Volkswagen AG verfügt aktuell über eine Liquidität von ca. 20 Mrd. Euro und weist allein Finanzschulden (durch Anleihen, Darlehen, usw.) in Höhe von über 70 Mrd. Euro. Nach ihrer Denkweise müsste die Volkswagen AG ein absolut ruinös wirtschaftendes Unternehmen sein.

    Sie haben sich nur zwei Werte aus einem riesigen Geflecht von Kennzahlen und Beträgen rausgegriffen um andere zu diffamieren.

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