Solarstrom
Deutsche Energiewende macht Schweizer Speicherkraft unrentabel

Schweizer Stromkonzerne wollen vom deutschen Atomausstieg profitieren und investieren in neue Speicherkraftwerke. Bisher ein sicheres Geschäft. Doch die Solarenergie könnte das Geschäftsmodell ruinieren.
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ZürichJahrzehntelang war das Geschäftsmodell quasi eine Lizenz zum Gelddrucken: Schweizer Elektrizitätskonzerne kauften billigen Nachtstrom aus Deutschland und pumpten damit Wasser aus den Unterseen ihrer Speicherkraftwerke in die Oberseen. Am Morgen oder auch gegen Mittag des folgenden Tages, wenn der Strompreis aufgrund der hohen Nachfrage massiv anstieg, öffneten sie die Schleusen - und lieferten die Elektrizität zurück.

Damit erzielten sie deutlich zweistellige Renditen - schließlich geht beim Hochpumpen kaum Energie verloren. Der Wirkungsgrad der Anlagen liegt bei rund 80 Prozent. Und dank des geplanten Atomausstiegs malten sich die Eidgenossen eine rosige Zukunft aus. Denn während Atommeiler zuverlässig und gleichmäßig Strom liefern, führt ein immer größerer Anteil an erneuerbaren Energien zu starken Schwankungen in den Netzen. Und um die auszugleichen, braucht es Pumpspeicherkraftwerke.

Um bei dem Geschäft dabei zu sein, gingen die Schweizer Stromkonzerne schon mal kräftig in Vorlage. Axpo, das größte Elektrizitätsunternehmen, baut gerade - Potenz verpflichtet - das größte Pumpspeicherwerk des Landes. Zwei Milliarden Franken soll es kosten und 2015 fertig sein. Gleich zwei Werke baut Alpiq für zusammen über zwei Milliarden Franken. Ein viertes Kraftwerk von einem kleineren Betreiber ist ebenfalls im Bau. Fünf weitere sind geplant.

Damit käme die Schweiz auf eine Kapazität von rund 4000 Megawatt - 800 mehr als alle Schweizer Atommeiler zusammen. Doch die Milliarden könnten verloren sein. Denn anders als erhofft, können bereits die bestehenden Pumpspeicherwerke kaum mehr rentabel betrieben werden. Trotz Fukushima und des geplanten Atomausstiegs ist der Strompreis nämlich gesunken.

„Die Preisdifferenz zwischen billigem und teurem Strom muss mindestens 30 Prozent betragen. Dieser sogenannte Spread ist aber so stark geschrumpft, dass es fraglich ist, ob sich diese zusätzlichen Pumpspeicherwerke je rentabel werden betreiben lassen“, kritisiert Jürg Buri, Geschäftsführer der unabhängigen Schweizerischen Energie-Stiftung (SES).

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Doppelte Abhängigkeit

Kommentare zu " Solarstrom: Deutsche Energiewende macht Schweizer Speicherkraft unrentabel"

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  • Schön zu bewundern, welch großes Ausmaß die Photovoltaik haben soll. Ich dachte immer das die Windmühlen -und einige sollen sich sogar schon nachts drehen können- den größten Teil regenerativer Energien liefern. Wir dürfen gespannt sein wie die Schweiz den beschlossenen Atomausstieg meistern wird. Sicherlich werden die genau auf Deutschland schauen, um nicht alle Fehler zu wiederholen. Weil die doppelt soviel Atomstrom haben, nehmen die sich auch doppelt soviel Zeit. Früher hatten wir ja als Nachtspeicheröfen, um die nächtliche Überkapazität weg zu kriegen. Ob demnächst Tagspeicher öfen kommen werden? Spätestens in Kombi mit Wärmepumpen wird dann aus teurem Solarstrom preiswerte Heizenergie die sich in Form von warmen Wasser bestens einspeichern läßt.
    Wie wird eigentlich Belgien den ebenfalls beschlossenen Atomausstieg angehen. Gibt es Neuigkeiten?

  • An der stelle glaube ich dem Artikel nicht.
    Denn hier wird für mich der Fehler gemacht das man sich dabei auf den Strompreis an der Strom Börse bezieht an dem dei Überschüssige Leistung die gerade nicht benötigt wird gehandelt wird.
    Pumpspeicherkraftwerke sind Spietzenlast Kraftwerke die nur für kurtzfristigen Bedarf eingesetzt werden können.
    Diese Kraftwerke düeften rellativ unabhängig vom Preis an der Börse sein.
    Und somit dürfte sich die Schwetzer Kraftwerke rechnen.
    Fraglich ist für mich als Fachmann, ob der Schreiber dieses Artikels etwas von Elektrotechnik und deren komplexität Versteht.
    Das unsere Strom versorgung solansam aber sicher im Chaos versinkt dürfte allerdigs jedem klar werden.

  • Ich glaube nicht das EON, RWE oder ENBW etwas dafür bezahlen das jemand für Kernenergie ist.
    Oder glauben Sie das die "Atom Konzerne" (um mal beim Orwelschen Grünsprech zu bleiben) an Dr Patrik Moore dem mit begründer von Greenpeace geld betahlt haben.

    Sie glauben mir nicht ?

    Dann schauen sie mal

    hier...http://tinyurl.com/3x85qcu
    hier...http://tinyurl.com/3yhsk4l
    hier...http://tinyurl.com/32j8ceq

    Jeder der bei klarem Verstand ist und über die nötigen hientergrung Informationen verfügt wird für Kernenergie sein.
    Besonders dann wenn man die Argumente der Grünen einer kritischen Betrachtunng unterzieht.
    Überprüfen Sie diese doch mal.
    ZB Hier... http://www.aerzteblatt.de/archiv/82286
    Wem dint eigentlich der ewig nicht entsorgbare Atommüll, wärend man weit Giftiegere Sachen schnell entsorgt ?

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