Spanischer Energieversorger
Iberdrola wächst weiter zügig

Der spanische Versorger Iberdrola hat im vergangenen Jahr stark von seinem Geschäft mit erneuerbaren Energien profitiert. Dank Zukäufen im Ausland koppelt sich der spanische Energiekonzern vom schwachen Heimatmarkt ab – trotz schwieriger Marktbedingungen will Iberdrola an einem ehrgeizigen Ziel festhalten.

MADRID. Der Konzern steigerte seinen Nettogewinn 2008 um 21,5 Prozent auf 2,86 Mrd. Euro. Verantwortlich dafür war vor allem das starke Wachstum der Tochter Iberdrola Renewables, die ihren Gewinn mehr als verdreifachte. Daneben profitierte das Unternehmen von Neuerwerbungen in Großbritannien und den USA: Der britische Versorger Scottish Power war erstmals in die Jahresbilanz integriert, die 2008 übernommene US-Tochter Energy East trug im vierten Quartal beträchtlich zum Ergebnis der Gruppe bei.

Vor allem diese Zukäufe und das Wachstum im Bereich der erneuerbaren Energien trugen zu einer starken Diversifizierung des Geschäfts bei. Die Schwäche des spanischen Marktes, wo die Nachfrage im Zuge der Rezession zurückgeht und die Tarife erst Mitte dieses Jahres voll liberalisiert werden, machte sich dadurch nur begrenzt im Ergebnis bemerkbar. „Nur noch 40 Prozent unseres Geschäfts hängen vom spanischen Markt ab“, sagte Iberdrola-Präsident Ignacio Sanchez Galán.

Scottish Power trug knapp ein Viertel zum Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) der Gruppe bei, gefolgt von Lateinamerika mit 14 Prozent und die erneuerbaren Energien mit 18 Prozent. Der Anteil des regulierten Stromgeschäfts machten insgesamt knapp zwei Drittel des Geschäfts aus, was Iberdrola mehr als seine europäischen Konkurrenten vor Volatilität schütze und für stabile Ergebnisse sorge, so Galán.

Die Finanzierung der Energy-East-Übernahme hatte Iberdrola schon ein Jahr zuvor abgeschlossen und konnte so den Effekt der Finanzkrise umgehen. Das Unternehmen, nach Börsenkapitalisierung die Nummer drei im spanischen Börsenindex Ibex und der fünfgrößte Versorger weltweit, konnte zudem in den letzten drei Monaten trotz Krise 3,2 Mrd. Euro auf den Finanzmärkten aufnehmen. Iberdrola verfüge über ausreichende Liquidität in Höhe von acht Mrd. Euro, Ende 2009 würden es noch sechs Mrd. Euro sein, erklärte Galán. Die Verschuldung von insgesamt rund 50 Prozent gegenüber Eigenmitteln sei gut diversifiziert in Währungen und Laufzeiten.

Obwohl das Schuldenniveau angemessen sei, habe man aus Vorsicht die nicht-organische Expansion der Gruppe gestoppt und auch das Investitionsniveau im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesenkt, so Galán. 2009 will Iberdrola 4,2 Mrd. Euro investieren, vor allem in erneuerbare Energien. 2008 war noch fast das Doppelte investiert worden.

Trotz der schwierigen Marktbedingungen hält Galan an seinem Ziel fest, im Jahr 2010 das Ergebnis von 2006 zu verdoppeln. 2010 werde das Nettoergebnis ähnlich oder leicht über dem von 2009 liegen. Neben erneuerbaren Energien will das Unternehmen in Zukunft vor allem auf Wasserkraft sowie Nuklearenergie setzen, die sich durch niedrige Kosten und niedrigen CO2-Ausstoß auszeichnen.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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