Sparpläne
Siemens streicht noch mehr Jobs

Es ist einer der radikalsten Einschnitte der Konzerngeschichte: Siemens will nach Handelsblatt-Informationen noch mehr als die bereits bekannten 15 000 Stellen streichen. Von weltweit rund 17 000 Jobs in mehreren Sparten ist jetzt die Rede. Zudem nennt der Konzern erstmals Details zum Abbau in Deutschland.

HB/ax MÜNCHEN. Details zu den Siemens-Sparplänen: Wie jetzt durchsickerte, will der Konzern in Deutschland rund 6000 Stellen streichen. Insgesamt sollen weltweit rund 17 000 Jobs wegfallen. Das sind 2000 mehr als bislang bekannt. Vertrieb und Verwaltung sind mit 12 500 Stellen betroffen, erfuhr das Handelsblatt aus Konzern-Kreisen. Der Rest verteilt sich auf die Bereiche Verkehrstechnik und Medizintechnik, heißt es.

Laut „Bild“-Zeitung plant Siemens, die Stellen bis 2010 ohne betriebsbedingte Kündigungen abzubauen. Bis Herbst solle der konkrete Abbauplan stehen und die betroffenen Mitarbeiter informiert werden.

Der Konzern will rund 1,2 Milliarden Euro an Vertriebs- und Verwaltungskosten einsparen und hatte bereits klargemacht, dass dies Arbeitsplätze kosten werde. Siemens hat weltweit 435 000 Beschäftigte, davon rund 130 000 in Deutschland.

Brief an die Mitarbeiter

Siemens-Chef Peter Löscher warb in einem Brief an die Mitarbeiter, der handelsblatt.com vorliegt, um Unterstützung für die „umfassendste Umstrukturierung der vergangenen 20 Jahre“, ohne allerdings Details zu nennen. „Produktivitätssteigerung, wie sie bei den Mannschaften in den Fertigungen und Fabriken gang und gäbe ist, ist selbstverständlich auch in Verwaltungen möglich. Da haben wir Nachholbedarf. Und das gehen wir nun an.“ Es gehe darum, die Früchte des von seinem Vorgänger Klaus Kleinfeld eingeleiteten Konzernumbaus zu ernten.

„Das ist gerade jetzt umso wichtiger, als auch die Risiken für die Weltwirtschaft durch hohe Rohstoff- und Energiepreise und die Finanzmarktkrise in den USA deutlich größer geworden sind und wir davon ausgehen müssen, dass wir dies auch bei uns in den kommenden Monaten zunehmend stärker spüren werden“, heißt es in dem Schreiben. Er versicherte zugleich: „Wir möchten schnell Klarheit schaffen, einen fairen Interessensausgleich für die betroffenen Mitarbeiter aushandeln, soziale Härten vermeiden und möglichst auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten.“

Der Abbau der Arbeitsplätzen bei Siemens in Deutschland trifft offenbar vor allen die Standorte in Franken. In Erlangen sollen dem Vernehmen nach 1330 Arbeitsplätze wegfallen und in Nürnberg weitere 540, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Zudem sollen in München 900 Jobs gestrichen werden und in Berlin weitere 340.

Bayern will Jobabbau bremsen

Am Freitag schaltete sich auch die bayerische Regierung in das Thema Jobabbau ein. „Ich werde mich dafür einsetzen, möglichst viele Arbeitsplätze in Bayern zu erhalten und die Folgen eines eventuellen Stellenabbaus für die betroffenen Mitarbeiter so sozialverträglich wie möglich zu gestalten“, erklärte Wirtschaftsministerin Emilia Müller. Sie stehe direkten Kontakt zu den Unternehmensführungen.

Müller bezog sich damit auch auf die Münchner Hypo-Vereinsbank, die ebenfalls vom Jobabbau betroffen sein könnte. Ihr italienischer Mutterkonzern Unicredit will in Westeuropa 9000 Stellen streichen. Dabei blieb noch offen, ob und wie viele davon bei der Hypo-Vereinsbank wegfallen.

Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein sagte der „Süddeutschen Zeitung“, jeder Stellenabbau bedeute für die Betroffenen und ihre Familien einen schmerzlichen Einschnitt: „Die jüngsten Ankündigungen von Siemens und UniCredit, Stellen in größerem Umfang abzubauen, sind schmerzlich. Da rede ich gar nicht drum herum.“ Ziel der Regierung sei es, „den Stellenabbau auf das unternehmerisch unabdingbare Maß zu begrenzen“.

Der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer, mahnte die Verantwortung von Siemens gegenüber seinen Beschäftigten an. „Es gibt eine klare Verantwortung der Siemens AG für die Beschäftigten“, sagte er. Die IG Metall befürchtet, dass Siemens überproportional viele Stellen in Bayern abbauen könnte. Er befürchte einen Kahlschlag, sagte Neugebauer. Unter den Siemens-Angestellten in Bayern sei die Verwaltungs- und Führungsschicht besonders stark vertreten. Siemens-Chef Löscher hatte angekündigt, besonders in der Führungsschicht sparen zu wollen.

Neugebauer erwartet, dass Siemens am 7. Juli konkrete Zahlen zum Jobabbau vorlegen wird. Dann trifft sich der Wirtschaftsausschuss des Gesamtbetriebsrates mit dem Siemens-Vorstand.

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