Sparprogramm
Siemens streicht Stellen in der Schweiz

Bereits bei seinem Amtsantritt vor fünf Jahren polarisierte Siemens-Chef Peter Löscher mit der Streichung von 14.000 Arbeitsplätzen. Jetzt setzt er in der Schweiz den Rotstift an – allerdings deutlich dosierter.
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München/ZürichDas Sparprogramm von Siemens nimmt Konturen an. Der Münchner Technologiekonzern teilte am Donnerstag mit, in der Schweiz rund 220 Stellen in der Gebäudetechnik zu streichen. Siemens reagiert damit auf die schwächere Konjunktur in weiten Teilen der Welt und den starken Franken. Konzern-Chef Peter Löscher bekräftigte in einem Interview mit dem österreichischen Blatt „Kleine Zeitung“, das Marktumfeld habe sich verschlechtert. Daher sei es nun ambitionierter, das Gewinnziel von mindestens 5,2 Milliarden Euro im fortgeführten Geschäft zu erreichen. Das Siemens-Geschäftsjahr endet Ende September. Zuletzt war der Auftragseingang um ein Viertel eingebrochen.

Der Dax-Konzern arbeitet momentan die Details seines neuen Sparprogramms aus. In Medienberichten war bislang die Rede, dass Tausende Stellen wegfallen dürften. „Wir werden auf der jährlichen weltweiten Führungskräfte-Tagung Anfang Oktober die grundsätzliche Struktur vorstellen und im November das gesamte Programm“, so Löscher. Für ihn ist es das zweite Mal seit seinem Amtsantritt vor fünf Jahren, dass er im großen Stil den Rotstift ansetzt. Siemens hat rund 410.000 Mitarbeiter. Es gilt bei Analysten als unwahrscheinlich, dass nach dem Rasenmäher-Prinzip vorgegangen wird. Als Löscher neu zu Siemens kam, fielen konzernweit 14.000 Jobs weg, vor allem in der Verwaltung. Jetzt dürfte er eher punktuell vorgehen.

Diese Woche hatte das „manager magazin“ berichtet, Siemens wolle Doppelfunktionen in der zentralen Verwaltung und den einzelnen Sparten beseitigen. Zudem sollten die Vertretungen in 190 verschiedenen Ländern und der zentrale Einkauf überprüft werden. Mit tieferen Einschnitten müssten die Sparte Infrastructure and Cities sowie die Bereiche Windkraft und Solar rechnen. Siemens wollte diese Details nicht kommentieren.

Probleme hatte zuletzt vor allem das Geschäft mit der Industrieausrüstung, ein traditionell konjunkturanfälliger Bereich. Analysten halten hier Kürzungen für wahrscheinlich. Nach einem Streit um einen U-Bahnauftrag in Lille sind auch Jobs in Frankreich gefährdet. Zittern müssen zudem die 3000 Leiharbeiter, die Siemens vor einem Jahr nach langem Zögern fest eingestellt hat. Viele von ihnen erhielten nur einen befristeten Vertrag.

In der Schweiz sollen Funktionen am Hauptsitz der Division Building Technologie in Zug reduziert oder den regionalen Einheiten übertragen werden. Damit spare Siemens in der Verwaltung rund 80 Stellen ein, hieß es. Durch die Verlagerung der Produktion von Volketswil bei Zürich nach Zug im kommenden Jahr fielen weitere 140 Jobs weg. Kündigungen seien nicht ausgeschlossen. Siemens beschäftigt in der Schweiz mehr als 6000 Mitarbeiter.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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