GE-Manager Tony Gale
"Von Sensoren fremdbestimmt"

Der Chef der General-Electric-Stadtsparte über intelligente Stromnetze, sparsamen Nahverkehr und zur Frage, warum das größte Hindernis beim Energiesparen der Mensch ist.
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DüsseldorfWirtschaftsWoche: Mister Gale, wenn wir uns in zehn Jahren zu diesem Interview in London treffen würden, der Stadt, in der Sie leben und arbeiten, was hätte sich im Vergleich zu heute verändert?

Gale: Die Stadt wird sehr viel nachhaltiger und grüner sein als heute. Auch in London werden die Regierung, die lokalen Verwaltungen und die Bürger nicht darum herumkommen, sich zwei zentralen Herausforderungen zu stellen: Die Stadt braucht eine neue Energieversorgung, und sie muss bei den Gebäuden und im Bereich der Infrastruktur effizienter werden. Das gilt übrigens für alle Metropolen auf der Welt.

Darüber wird seit Jahren viel geredet, passiert ist wenig.

Das stimmt. Es liegt schlichtweg daran, dass Stadtplaner und Politiker zu sehr in alten Kategorien denken. Nehmen Sie die Energieversorgung: Hier gelten große, zentrale Kraftwerke immer noch als Nonplusultra. Neuerdings fordern viele Experten große Windparks auf See.

Sie nicht?

Höhere Anteile von erneuerbarem Strom erreichen wir in einzelnen Stadtvierteln schneller mit kleinen dezentralen Anlagen, die Gas, Wind oder Sonne nutzen.

Manche Forscher behaupten, die Städte der Zukunft werden sich mit diesen Kleinanlagen vollständig selbst mit Strom und Wärme versorgen. Teilen Sie diese Vision?

Für ganze Metropolen ist das utopisch. Aber für einzelne Stadtviertel funktioniert es.

Und zwar wie?

Uns schwebt eine lokale Grundversorgung durch umweltfreundliche Minikraftwerke vor, die mit Erd- oder Biogas aus Abfällen oder Pflanzenresten Strom und Wärme produzieren. Wenn die Nachfrage hoch ist, schalten die lokalen Energiemanager Wind- oder Sonnenstrom dazu.

Wird das für die Versorgung einer Millionenstadt wie London genügen?

London lässt sich so nicht versorgen. Es fehlt der Platz für Windturbinen und Solaranlagen. Außerdem ist die Windstärke in Städten oft zu gering, um die Anlagen effizient zu betreiben.

Also scheitert die Idee einer komplett grünen Stromversorgung von Megastädten vor allem an der dichten Besiedelung?

So ist es. Wir planen gerade ein Projekt in einer englischen Kleinstadt mit etwa 60.000 Einwohnern. In dem Ort gibt es viele unbebaute Flächen. Mit einer Handvoll großer Windräder, Solaranlagen und einer Gasturbine wollen wir dort die Hälfte des Energieverbrauchs decken.

So besonders klingt das jetzt nicht.

Die Stadt wird außerdem mit einem computergesteuerten Stromnetz – einem sogenannten Smart Grid – ausgerüstet, das die Energieproduktion automatisch dem Verbrauch anpasst. Das Praktische: Wenn Geld für Investitionen vorhanden ist, lässt sich das System wie ein Baukasten erweitern. So kann sich die Stadt nach und nach vom öffentlichen Netz abkoppeln.

Städte werden aber nicht nur durch mehr grüne Energie nachhaltiger, sondern vor allem durch weniger Verbrauch. Wo liegen die Effizienzreserven?

Das größte Hindernis für eine höhere Energieeffizienz ist der Mensch. Wir sind nun mal nicht besonders gut darin, hinter uns das Licht auszuschalten oder die Heizung abzudrehen, wenn wir die Fenster öffnen. Also brauchen wir Technologie, die das für uns erledigt. Bewegungsmelder können im Zimmer Lichtschalter steuern oder Sensoren im Fensterrahmen die Heizungen regeln.

Wir werden in Zukunft also von Chips und Sensoren fremdbestimmt, die entscheiden, wann geheizt wird und wann nicht?

Ja, und die Menschen werden nicht darauf verzichten wollen, weil sie damit Geld sparen. Zum Beispiel kann sich die Heizung oder Waschmaschine immer dann automatisch anschalten, wenn der Strom billig ist. Die nötige Technologie ist marktreif, jetzt müssen nur noch die Energieversorger entsprechende Stromzähler installieren.

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