Martin Schefter
"Maschinen werden nie völlig eigenständig arbeiten"

Künstliche Intelligenz ist in der Wirtschaft ein Dauerthema. Doch völlig selbstständig werden Maschinen nie arbeiten können. Martin Schefter, Geschäftsführer der Eaton Industries Holding, über das Miteinander von Mensch und Maschine.
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Handelsblatt: Es klingt nach stumpfer Monotonie: Ein Arbeiter, der eine Schicht lang Anlagen steuert. Stimmt das Klischee?

Martin Schefter: Früher vielleicht. Inzwischen sind die Mitarbeiter hochspezialisiert. Sie müssen neben dem Fertigungsprozess auch die Maschine verstehen. Unternehmen brauchen dafür intelligente Leute. Es ist nicht damit getan, einen Knopf zu drücken.

Handelsblatt: Ihre Aufgabe als Hersteller von Steuerungsdisplays ist, die Bedienung einfach zu gestalten. Wie gehen Sie da vor?

Schefter: Unser Ziel heißt Lean Automation. Wir wollen die Zahl der Komponenten auf ein Minimum reduzieren – bei gleicher oder sogar höherer Qualität der Steuerung.

Handelsblatt: Auf der Hannover Messe zeigen Sie berührungsempfindliche Bildschirme. Was steht als nächstes an? 

Schefter: Es wäre nicht erstaunlich, wenn in fünf Jahren ein Display nach dem Vorbild des iPad auf den Markt kommt – mit entsprechender Multitouch-Funktion.

Handelsblatt: Warum dauert es so lange, die Technik auf die Maschinensteuerung zu übertragen?

Schefter: Es geht nicht allein um die Kommunikation, sondern betrifft auch die Programmebene. Im Monitor des Steuerungsgeräts befindet sich wie beim PC eine Leiterplatte. Während dort der Innovationszyklus zwei Jahre beträgt, sind es bei uns fünf bis zehn Jahre. Das liegt auch daran, dass die Anforderungen an die Sicherheit oder die Kühlung viel höher sind.

Handelsblatt: Welche Innovationen erwarten Sie langfristig?

Schefter: 3-D-Darstellung wird es bei der Steuerung künftig sicher geben. Eine Vision sind selbst lernende Systeme: eine Maschine, die etwa Gesten des Arbeiters wahrnimmt und darauf immer genauer reagieren kann. Dabei spielt Sensorik eine Schlüsselrolle.

Handelsblatt: Werden solche Anlagen klüger als der Mensch sein?

Schefter: Schon als ich studiert habe, Anfang der 80er-Jahre, war das Thema künstliche Intelligenz in aller Munde. Aber Maschinen werden nie völlig eigenständig und fehlerfrei arbeiten können – es muss deshalb immer jemanden geben, der sie bedient.

Handelsblatt: Der demografische Wandel droht den Fachkräftemangel zu verschärfen. Können moderne Maschinen das Problem lindern?

Schefter: Sie prägen das Betriebsumfeld. Früher gab es Angst, dass Maschinen den Arbeiter verdrängen. Heute ist ein moderner Maschinenpark ein Entscheidungskriterium für qualifizierte Mitarbeiter bei der Arbeitsplatzsuche.


Thomas Mersch
Thomas Mersch
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

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